Tag 3: Naturethik in Wirtschaft und Gesellschaft

Ort:

FFHS Campus, Brig und Übertragung

Die Verantwortung des Wirtschaftsakteurs, Diskussion (de)

Beschreibung

Schaut man in die Tagespresse, spürt man die Dringlichkeit, mit der von Wirtschaftsakteuren Verantwortung hinsichtlich der Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten und ihrem Umgang mit der Natur eingefordert wird. Doch dieses Gefühl täuscht: Als «dringlicher denn je» wird das Thema nämlich schon seit Jahrzehnten betitelt. Dass die Wirtschaftswissenschaft hier kein eindeutiges Konzept zur Verantwortung hervorgebracht haben, möge man ihr verzeihen. Leider betrachtet die Philosophie das Thema Verantwortung in den verschiedensten Ausprägungen – nur nicht im wirtschaftlichen Kontext. Auch wenn Adam Smiths «Wohlstand der Nationen» die selbst von Ökonomen gewöhnlich ungelesene Bibel ihrer Zunft darstellt, so ist die «Theorie der ethischen Gefühle» längst in kollektive Vergessenheit geraten. Dabei stellt der Vertrag mit seiner wechselseitigen Selbstverpflichtung eine solide Grundlage für das legitime Einfordern zahlreicher sehr konkreter Handlungen dar – vom Monopolisierungsverbot bis zur Führungsverantwortung liesse sich Verantwortung klar definieren und auf eine reale Selbstverpflichtung zurückführen.

Nur auf die so dringlichen Fragen unserer globalen Welt – nämlich die Vertragsnebenwirkungen für unbeteiligte Dritte wie sie sich im Klimawandel äussern – hat sie keine Antwort.

Liegt darin möglicherweise der eigentliche Grund für eine Unvereinbarkeit unserer kapitalistisch geprägten Marktwirtschaft mit der Schaffung von nachhaltigem gesellschaftlichen Wohlstand?

Biografie

Dr. Natascha Hebestreit hat Wirtschaftswissenschaften studiert und an der Humboldt-Universität zu Berlin über die Verantwortung des Wirtschaftsakteurs (erschienen bei SpringerGabler) promoviert. Von 2014 bis 2022 hat sie an der Fernfachhochschule Schweiz den Fachbereich Innovation Management geleitet und dort 2022 den Fachbereich Sustainability and Circular Economy übernommen. Sie studiert Philosophie an der Fernuniversität Hagen.

Referent/innen:

Dr. Natascha Hebestreit, FFHS, Schweiz

Ort:

FFHS Campus, Brig und Übertragung

Was ist Ökosophie? Diskussion (de)

Beschreibung

Der in Norwegen sehr einflussreiche Philosoph Arne Naess (1912-2009) trug entscheidend zur Prägung des Begriffs «Ökosophie» bei. Als Bergsteiger mit der Natur eng verbunden wurde Naess nicht nur früh auf die durch die Zivilisation verursachten Umweltprobleme aufmerksam, er strebte ausserdem an, sie durch philosophisches Denken theoretisch und praktisch zu bewältigen. Sein Hauptanliegen war eine holistische, nicht anthropozentrische Betrachtung der Welt zu entwickeln, in der andere Lebewesen und die natürliche Umwelt als an sich wertvoll anerkannt werden. Bringeland stellt in seinem Beitrag die Entstehung und den Inhalt der Ökosophie dar und klärt dabei ihren Bezug zu ökophilosophischen Begriffen wie «Tiefenökologie». Neben dem Fokus auf Naess werden auch Gesichtspunkte anderer Philosophen miteinbezogen. Diese Darstellung leitet zu einer Bewertung ökosophischer Gesichtspunkte über: Inwieweit sind diese zutreffend? Haben sie immer noch Erklärungskraft und innovatives Potential? Können sie auch heute unser Handeln motivieren und leiten? 

Biografie

Prof. Hans Bringeland (geb. 1952) ist Professor für neuere Kirchen- und Theologiegeschichte und Ethik am NLA University College Bergen (Norwegen) und Vorstandsmitglied der AIPPh. Er bekam seine philosophische Ausbildung an der Universität Oslo, wo Arne Naess über 30 Jahre als Professor tätig war. Zwischen dem Hardanger Fjord und dem Gletscher Folgefonna aufgewachsen ist Bringeland immer der Natur zugewandt gewesen und hat in seiner Lebenszeit wesentliche Änderungen der heimatlichen Umwelt beobachten können. 

Ort:

FFHS Campus, Brig und Übertragung

   11:00 - Kaffeepause

Leben und Lernen mit der Natur, Diskussion (de)

Beschreibung

Im letzten Inputreferat der Veranstaltung „Natur & Ethik“ erfolgt der Versuch einer Erklärung des Zusammenlebens des Menschen in den grossartigen, wilden und selbständigen Alpentälern des Wallis. Die Beziehung und Wahrnehmung unserer Landschaft und der Naturereignisse haben sich seit der Kindheit des Referenten und im Laufe seiner beruflichen Auseinandersetzung damit als Leiter der Sektion Naturgefahren wesentlich geändert. Und doch - die oftmals als „grausam“ wahrgenommene Natur ist trotz allem der engste Freund des Menschen und eine Über- oder Fehlnutzung ein Unsinn, der sich nicht auszahlt. Herr Wuilloud beginnt sein Referat mit der Erzählung persönlicher Erlebnisse und dessen religiöse Beziehung zur Umwelt, ganz speziell zu den Naturgewalten. Er endet mit Lösungsvorschlägen wie der Mensch langfristig von und mit der Umwelt als Schöpfungsgeschenk leben sollte.

 

Biografie

Charly Wuilloud kam bereits früh in Kontakt mit der gewaltigen Naturwelt des Wallis und in seinem beruflichen Werdegang machte er unzählige Erfahrungen in ihrem Zusammenspiel mit dem Menschen. Seine Kindheit erlebte er im Bagnestal und im Saastal, wo sein Vater als Ingenieur beim Bau der Kraftwerke von Mauvoisin und Mattmark arbeitet. Nach der klassischen Matura im Kollegium Brig studierte er Forstingenieurwesen an der ETH in Zürich und arbeitete als selbstständiger Forstingenieur, als Forstinspektor und Leiter der technischen Forstprojekte beim Staat Wallis. Die folgenden 25 Jahre leitete er dort die Sektion Naturgefahren. Wuilloud hält das Bergführerpatent im Wallis und nahm an zwei Polarexpeditionen teil. Seit 2014 ist er in Pension.
 

Ort:

FFHS Campus, Brig und Übertragung

 

Ort:

FFHS Campus Rhonesand, Brig