06/15/2022

«Auch konservative Unternehmenslenker mussten einsehen, dass kein Weg an der Digitalisierung vorbeiführt»

Daniel Fiechters Leidenschaft ist die Schnittstelle zwischen Business, IT und Customer Experience. Im Interview spricht er über den Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation, Nachhaltigkeit und das CAS Digitale Unternehmenstransformation.

Herr Fiechter, 2018 verabschiedete der Bundesrat die Strategie «Digitale Schweiz». Wie sind die Schweizer Unternehmen ihrer Meinung nach unterwegs in der digitalen Transformation?
Die Digitalisierung ist unterschiedlich fortgeschritten und stark abhängig von der jeweiligen Branche. Traditionell stark IT-lastige Branchen wie Banken oder Versicherungen weisen sicherlich einen höheren Reifegrad auf als zum Beispiel die Industrie oder das Bauwesen. Allerdings finden auch in diesen Branchen aktuell sehr grosse Bestrebungen statt, die digitale Transformation voranzutreiben. Insbesondere die Corona-Krise hat wie ein Beschleuniger gewirkt und auch konservative Unternehmenslenker mussten einsehen, dass kein Weg an der Digitalisierung vorbeiführt.

Die digitale Transformation nahm ihren Anfang streng genommen bereits in den 1990er Jahren. Was sind heute die Herausforderungen für ein Unternehmen im Vergleich zu früher?
Klassischerweise ging es oft um Effizienzgewinne durch entsprechende Hilfsmittel wie zum Beispiel Software. Also tatsächlich die «Digitalisierung» von Prozessen. Heutzutage steht hingegen vermehrt die eigentliche «Transformation» an sich im Zentrum: Neue Geschäftsmodelle, die dank den neuen Technologien möglich und durch neue Bedürfnisse nötig werden. Neue Jobprofile mit entsprechenden Skill-Sets und die damit zusammenhängende neue Form der Zusammenarbeit. Es geht für Unternehmen also immer mehr um Change Management und darum, die richtigen Leute zu finden, die diese Transformation stemmen können und wollen. Aber auch um das Neu-Denken von Bestehendem und auszuprobieren, zum Beispiel mit neuen Geschäftsmodellen.

Wie ist der Trend zur nachhaltigen Wirtschaft mit der Digitalisierung vereinbar?
Digitalisierung erlaubt effizientere und damit ressourcenschonendere Prozesse. Während der Corona-Krise war das gut sichtbar. Wurde vorher selbst für kurze Meetings oft auch lange Strecken gereist, kommt heute viel mehr ein Video-Call zum Einsatz. Dank Sensoren und IoT lässt sich dieses Prinzip aber auch auf komplexe industrielle Anlagen oder Gebäude übertragen, indem diese durch Messungen und intelligente Algorithmen ressourcenschonender betrieben werden. Auch neue Modelle im Sinne der «Sharing Economy» nutzen Ressourcen effizienter, indem sie die Auslastung von bereits Bestehendem optimieren. Natürlich brauchen Rechenzentren ebenfalls viel Energie. Aber die Digitalisierung gibt uns Mittel in die Hand, um dem Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft näher zu kommen.

 Das CAS Digitale Unternehmenstransformation versteht sich als Einführung in das Themenfeld «Industrie 4.0». Was lernen die Studierenden?
Die Studierenden lernen den Unterschied zwischen «Digitalisierung» und «digitaler Transformation». Sie betrachten die verschiedenen Perspektiven dieser Transformation ausführlich und lernen neue Methodiken wie agiles Arbeiten oder Design Thinking kennen. Damit erhalten sie das Rüstzeug, um sich in einer «VUCA-Welt» zurecht zu finden.

Wie gewährleisten Sie den Praxisbezug? Können die Studierenden ihre Unternehmenssicht im Studium einbringen?
Alle Dozierenden sind «aus der Praxis» und da täglich mit den Herausforderungen der digitalen Transformation konfrontiert. Zudem werden zum Beispiel als Prüfungsleistungen auch Referate erwartet, die sehr gerne den Praxisbezug zu den Unternehmen der Studierenden enthalten sollen. So entstehen oft sehr interessante und bereichernde Diskussionen unter den Studierenden und den Dozierenden.

Was bedeutet Digitalisierung für Sie persönlich?
Digitalisierung bedeutet für mich ein sehr breites und hochspannendes Tätigkeitsfeld, angefangen von Technologien, Prozessen bis hin zu Strategien, neuen Geschäftsmodellen und Change Management. Gleichzeitig ist es ein Mittel zum Zweck, damit Unternehmen weiterhin erfolgreich tätig sein können und sich in diesem «new normal» behaupten können. Und entsprechend ist es meine Leidenschaft, mich in diesem Tätigkeitsfeld zu bewegen und täglich neuen spannenden Herausforderungen zu begegnen.