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«Bildung: Fundament für Offenheit»

Franco Gervasoni ist Generaldirektor der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI), die heuer ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Im Interview  spricht er über sich, über die Entwicklung seiner Schule und über die Zusammenarbeit mit der Teilschule FFHS. Interview: Hannes Tscherrig

 

Herr Gervasoni, Sie haben Ihre Bildungskarriere mit einer klassischen Matura begonnen, sind dann aber auf ein technisches Studium eingeschwenkt. Wie kam dieser Weg zustande?
Eigentlich ist es keine Wendung: Schon im Gymnasium wusste ich, dass ich später ein technisches Studium machen würde. Ich wählte bewusst Griechisch und Latein, um die humanistische Dimension meiner Ausbildung zu vertiefen und meinen Bildungsrucksack möglichst vielseitig zu füllen.

 

 

Welchen Wert haben humanistische Kompetenzen im Zeitalter intelligenter Maschinen? Wie hilft Altgriechisch einem Ingenieur?
Es ist schwierig, den Wert einer klassischen Ausbildung zu messen, aber ich bin sicher, dass sie wichtig war. Sie hat mir über die Jahre eine mentale Offenheit und Flexibilität gegeben, die sonst nicht möglich gewesen wäre: Ich bin und bleibe neugierig, suche immer nach einer ganzheitlichen Sicht auf die Realität und die Probleme mit denen ich mich konfrontiert sehe.

 

Als Ingenieur haben Sie Brücken aus Stein gebaut. Was zeichnet einen guten Brückenbauer aus?
Ein guter Brückenbauer muss die Bedürfnisse der Nutzer, die Beschaffenheit des Untergrunds, Statik, Materialien und den Konstruktionshergang kennen. Er muss wissen, wie man mit Klienten kommuniziert, in den Projektteams zusammenarbeitet, die Arbeiter motiviert. Er muss Versprechen in Bezug auf Zeit, Kosten und Qualität einhalten können.

 

Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit an der SUPSI?
Diese Qualitäten kommen – metaphorisch gesprochen – auch in meinem Alltag an der SUPSI zu tragen. Hier bauen wir Brücken zwischen Disziplinen und Kulturen, die manchmal sehr weit auseinander liegen. Dieses kulturüberbrückende Netzwerk verbindet uns mit dem Rest der Schweiz. Wir wollen auf diesem Weg weitergehen, denn unsere Zukunft hängt davon ab.

 

Wo steht die SUPSI an ihrem 20-Jahr- Jubiläum?
Die SUPSI hat in den 20 Jahren seit ihrer Gründung eine bemerkenswerte Grösse und Reife erreicht. Mit dem Ausbau der drei neuen Standorte in Mendrisio, Lugano-Viganello und Lugano-Stazione unterstreichen wir diese Entwicklung und setzen Impulse für die Gestaltung der künftigen SUPSI.
Ausserdem müssen wir unser Netzwerk von Beziehungen zu Arbeitgebern und Fachleuten in allen Geschäftsbereichen weiterentwickeln. Nur so können wir garantieren, dass unsere Leistungen den sich immer schneller entwickelnden Bedürfnissen aus der Privatwirtschaft entsprechen.

 

Wo verorten Sie den Schulterschluss mit der FFHS 2004 in der Geschichte der SUPSI?
Ich bin stolz darauf, dass wir diese Kooperation in den letzten 10 Jahren erfolgreich konkretisieren konnten. Der Master in Innovationsmanagement, gemeinsame Forschungsprojekte im Bereich Non-Profit-Organisationen oder die laufenden Weiterbildungsprogramme, die zum Thema Industrie 4.0 entwickelt werden, zeigen wie erfolgreich FFHS und SUPSI zusammenspielen.

 

Worin liegen die Vorteile dieser Kollaboration?
Zum einen müssen wir die Kompetenzen im Fernunterricht der FFHS innerhalb der gesamten SUPSI besser integrieren. Denn in Zukunft wird es immer wichtiger, innovative und flexible Lehrformen zu entwickeln. Fernunterricht bedeutet mehr Flexibilität und damit die Möglichkeit, neue und ansprechende Bildungsmöglichkeiten zu entwickeln.

 

Wo sehen Sie Herausforderungen?
In der institutionellen Heterogenität. Diese wollen wir durch die breite Beteiligung der Mitarbeitenden und eine aktivere und transparentere Kommunikation in einen Mehrwert verwandeln. Wir müssen über alle Organisationseinheiten, mit allen Mitarbeitenden eine gemeinsame Vision entwickeln.

 

Sie sind seit fast zehn Jahren Direktor der SUPSI. Worauf sind Sie besonders stolz? Was wollen Sie noch erreichen?
Ich bin sehr stolz auf alles, was die SUPSI in diesen 20 Jahren erreicht hat: Absolventen, Forschungsprojekte, Partner und die Entwicklung von persönlichen und beruflichen Perspektiven für unsere Mitarbeitenden… Ich wünsche mir, weiterhin mit dem Geist arbeiten zu können, mit Dynamik und Visionen eine führende Rolle bei der Entwicklung der Gesellschaft zu spielen. Schön wäre, wenn das Tessin für junge Leute aus anderen Schweizer Kantonen attraktiver wird.

 

FRANCO GERVASONI ist der Generaldirektor der Fachhochschule Südschweiz (SUPSI). Seit 2015 vertritt er die Schweizer Fachhochschulen als Vorstandsmitglied der swissuniversities. Zwischen 1994 und 2008 dozierte er an der SUPSI Bauingenieurwesen und Architektur. 2003 erhielt er den Titel Professor der SUPSI. Vor seiner Hochschulkarriere arbeitete Franco Gervasoni als Bauingenieur und prägte namhafte Bauten im Tessin. Ausserdem sanierte er Brücken – unter anderem Natursteinbrücken im Verzascatal. Er erhielt 1991 an der ETH Zürich das Diplom als Bauingenieur, nachdem er am Gymnasium in Bellinzona 1986 eine klassische Matura erlangt hatte. Der 50-Jährige ist in Melano (TI) geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne.