Welches Studium passt zu mir? Sehen Sie auf einen Blick, welche Studiengänge für Sie in Frage kommen

«Ein bisschen Kitsch braucht es im Leben»

Nach sechs Jahren im selben Betrieb war es für Jacqueline Hamzai an der Zeit, etwas zu verändern. Heute, den Bachelor in Business Administration der FFHS längst in der Tasche, arbeitet sie noch immer im selben Familienbetrieb. Denn nicht nur ihre Aufgaben, auch das Unternehmen sind mit ihr gewachsen. Text: Robert Reinecke

Jeden Tag fährt Jacqueline Hamzai zu ihren Pferden im Pensionsstall. Das ist ihre Auszeit, ihr Ruhepol. Drei Pferde hat Frau Hamzai hier, «eher zweieinhalb», sagt sie und lacht, «das eine ist ein Pony.» Von der Pflege über den Auslauf bis hin zum Dressurtraining übernimmt sie tagtäglich die Verantwortung für die Tiere. Für viele wäre das eine Verpflichtung – für sie ist es Erholung. Frau Hamzai ist keine, die vor Herausforderungen zurückschreckt. Als alleinerziehende Mutter einem 100%-Pensum nachzugehen, sich nebenbei noch um drei Pferde, eine Katzenzucht und einen Hund zu kümmern, hinderte sie nicht daran, noch ein Studium an der FFHS zu absolvieren. 

«Alles eine Frage der Organisation», sagt Hamzai beiläufig. Sie habe sich schon damals, als die Ausbildung noch «Betriebsökonomie» gelautet habe, für das Studium interessiert – doch die hohen Präsenzzeiten hätten es ihr nicht erlaubt, Studium und Familie unter einen Hut zu bringen. Das Fernstudium, durch welches sie sich ihre Zeit weiterhin selbst einteilen konnte, sei daher optimal gewesen. Der Rest ergab sich fast schon von alleine: Eine Freundin übernahm samstags jeweils Hund und Pferde, damit sie die Vorlesungen besuchen konnte, den Lernstoff hat sie jeweils nach dem Abendessen angeeignet, wenn ihr Sohn schon im Bett war. Und obgleich bei vielen schon an diesem Punkt die Belastungsgrenze erreicht gewesen wäre, ging die Tierliebhaberin noch weitere Projekte an und schrieb jeweils nach dem Lernen noch an ihrem Buch. «Nur eine Liebesschnulze», sagt sie lachend und lässt damit ein weiteres Mal die Anstrengungen leicht erscheinen. 

 

Karrierechance Familienunternehmen 

Dass sie das Studium trotz all ihrer Verpflichtungen und Hobbies erfolgreich absolvieren konnte, liegt sicherlich an der unbeschwerten Zielstrebigkeit, welche Jacqueline Hamzai ausstrahlt – auch im Beruf.

So konfrontierte sie nach Abschluss des Bachelors in Business Administration ihre Arbeitgeber, einem auf Sicherheitsschuhe spezialisierten Unternehmen, mit ihren weiteren Karriereplänen; dass sie ihre Vertiefungsrichtung Human Resource Management auch in der Praxis umsetzen wolle und sich nach einer anderen Stelle umsehe. Doch man wollte die langjährige und erfahrene Mitarbeiterin partout nicht ziehen lassen und passte kurzerhand die Stelle ihren neuen Qualifikationen und Wünschen an.

Mittlerweile ist Frau Hamzai die rechte Hand des Geschäftsführers und als Schnittstelle für das Personal, den Wareneinkauf und den Verkauf verantwortlich. Und durch die täglich neuen Herausforderungen, das Arbeitsklima und die Wertschätzung, welche man ihr und ihrer Arbeit entgegenbringt, fühlt sie sich auch nach 13 Jahren in dem Familienunternehmen wohl, in dem sie einst die ersten Prozessoptimierungen etablierte. «Als ich damals anfing, war vieles noch undefiniert», erinnert sie sich, «ein spannendes Umfeld, in dem ich mich einbringen und gleichzeitig viel lernen konnte.» 

 

Studium als Ergänzung 

Das Studium war daher weniger ein Einstieg, sondern vielmehr eine weiterführende Ergänzung ihres Wissensstandes. Und obgleich die erlernte Theorie und erlebte Praxis nicht immer deckungsgleich gewesen seien (was mitunter zu angeregten Gesprächen mit den Dozierenden geführt hatte), ist Frau Hamzai doch froh, ihr Wissen durch den Studiengang erweitert zu haben. Sowohl intern, als auch gegenüber den verschiedenen Anspruchsgruppen, mit denen sie ständig in Kontakt steht, könne sie nun selbstbewusster und sicherer auftreten. 

Beruflich hat Frau Hamzai ihre Ziele erreicht – privat noch nicht ganz. «Ich möchte einmal mit meinen Pferden einen Strand entlang reiten», sagt sie und fügt lachend hinzu: «Ist zwar kitschig – aber ein bisschen Kitsch braucht es im Leben.»