Welches Studium passt zu mir? Sehen Sie auf einen Blick, welche Studiengänge für Sie in Frage kommen

Student wird Dozent

Gabriele Guidicelli war 1998 einer der ersten FFHS-Studenten. Nach seinem Abschluss als Wirtschaftsingenieur FH wechselte er 2003 hinters Lehrerpult. Heute ist der gelernte Maschinenzeichner technischer Projektleiter bei Cargo sous terrain AG und doziert an der FFHS Beschaffung, Produktion und Logistik. Wir haben mit Herr Guidicelli über seine 20-jährige Karriere an der FFHS gesprochen.
 

Gabriele Guidicelli, wie haben Sie als Student erster Generation das Studium an der FFHS erlebt?

Speziell in Erinnerung geblieben ist mir meine Anmeldung. Ich hatte nach mehr Informationen zum Thema Technische Betriebswirtschaft gefragt. Statt Informationen bekam ich die Antwort: «Vielen Dank Herr Guidicelli, Sie sind aufgenommen». Die heutige FFHS war damals noch keine FH, man konnte einfach Kurse besuchen. Ich habe mich voll hineingegeben und den Studiengang «Technische Betriebswirtschaft» besucht. Dieser Studiengang war stark an die Fernfachhochschule Hagen angelehnt. Am Anfang habe ich aus Interesse studiert. Ich habe schnell gemerkt, dass das Niveau da war. Man spürte, dass die junge Schule es stemmen wollte als FH. Nach der Hälfte des Studiums sagte ich mir dann: Jetzt ziehe ich es durch. Welchen Titel unser Diplom haben würde, wussten wir aber erst 2003.

Warum haben Sie sich 1998 für die FFHS entschieden?

Entscheidend für mich war der Fernstudiengedanke. Ich war von Berufes wegen die ganze Woche unterwegs und konnte nicht «normal» berufsbegleitend studieren. Die Studienform, wie die FFHS sie bot, war genau auf mich zugeschnitten.

Wie haben Dozierende 1998 an der FFHS unterrichtet?

Alles war noch etwas analoger: Man bekam einen Lern-Brief. Alles war auf Papier. Viele Studierende lernten Computer und E-Mail erst während des Studiums kennen. Die Dozierenden waren ebenfalls noch sehr klassisch unterwegs. Kreide, Wandtafel und handgeschriebene Skripte waren an der Tagesordnung, vielleicht mit dem sporadischen Einsatz des Folienprojektors. Als Student reiste ich also immer mit einer Kiste voller Schulbücher im Kofferraum durchs Land.

Wie haben Sie als Student gelernt, was war anders?

Wir lernten sehr lösungsorientiert und individuell. Wissenschaftliche Methodik kannten wir noch nicht als Modul, denn dieses Fach kam erst in den 90er Jahren auf. Die FFHS hat es erst später eingeführt.

Was ist gleich geblieben?

Die Persönlichkeit ist und bleibt wichtig. Schnell wurde klar, dass diejenigen Studenten, die diszipliniert ans Studium herangingen, es weniger streng hatten. Fürs Fernstudium braucht es eine gewisse Persönlichkeit, es braucht Selbstdisziplin, man muss sich organisieren. Arbeitswelt, Privates, Studium: Alles geht parallel. Der Student muss auch Dinge zurückstellen können, Hobbies pausieren, denn alles zusammen geht nicht. Ich fragte mich: Auf was kann ich vorübergehend verzichten? Und damit das Studium erfolgreich wird, muss auch das persönliche Umfeld den Fernstudenten unterstützen.

Wie hätten Sie 1998 auf Lernformen wie virtuelle Klassenzimmer oder Online-Foren reagiert?

Das hätte sich wohl etwas nach Science Fiction angehört. Aber wir wären natürlich froh gewesen. Mit einem System wie Moodle hätte ich mich viel besser organisieren können. Aber man wusste es damals nicht besser. Als Student hatte ich nie eine Lernplattform. Der erste Moodle-Vorgänger an der FFHS kam erst 2006 als eine reine Datei-Ablage. Seither haben sich elektronische Lernplattformen demokratisiert: Heute sind sie gängige Systeme. Es hat sich ein Abholprinzip etabliert, in dem sich der Student bedienen kann. E-Learning kennt aber auch 2018 noch nicht jeder. Die FFHS spielt hier eine sehr gute Vorreiterrolle.

Was reizt Sie an Ihrer Tätigkeit als Dozent?

Ich kann eins-zu-eins Bezüge zu meinem Job herstellen und nicht nur technische, sondern auch prozessuale Themen behandeln. Studierende lernen bei mir die wichtigsten Aspekte des ganzen Wertschöpfungsprozesses und sehen die grossen Zusammenhänge. Das spezifische Fachwissen holen sie sich in den jeweiligen Fächern als Vertiefung. Bei mir lernen sie ganzheitliches Denken und Querdenken.
Interessant sind auch die Fragen, die von den Studierenden gestellt werden. Ich habe selten eine Frage zweimal gehört. Es geht immer darum, die Verständnislücke herauszufiltern und gezielt darauf einzugehen. Dadurch lerne auch ich ständig dazu und versuche meine Erklärungen besser zu gestalten.

Was hat sich geändert im Unterricht seit Sie 1998 an der FFHS studiert haben?

Die Themen waren sicher andere. Ich glaube aber nicht, dass ich ganz anders doziere als meine Lehrer von damals.
Ich bin ein Generalist mit Berufserfahrung, der sein Wissen aus der Praxis weitergibt. Die Studierenden scheinen meine Erläuterungen zu verstehen. Das ist die Hauptsache.

Wohin muss/kann/soll sich die FFHS in den kommenden 20 Jahren entwickeln?

Das dezentrale Lernen, das Lernen von zu Hause oder unterwegs aus wird sich weiter etablieren, denke ich. Wahrscheinlich werden die technischen Hilfsmittel fürs Lernen weiter vereinfacht. Schulen werden Studierenden immer weiter entgegenkommen, so dass sie wirklich irgendwo und irgendwann lernen können. Die Studierenden von morgen auf der anderen Seite werden viel selbstständiger lernen als heute. Natürlich wird sich auch der Dozent verändern. Er wird zum Lern- Coach und vor allem eine Wegweiser-Funktion haben.

Gabriele Guidicelli ist gelernter Maschinenzeichner, hat bei mehreren Firmen in verschiedenen Funktionen als Projektleiter und als Leiter in verschiedenen mittleren und oberen Kaderstufen gearbeitet. 2003 hat er an der FFHS den Titel «Wirtschaftsingenieur FH Studienfach Technische Betriebswirtschaft, Marketing, Projektmanagement» erlangt. 2010 hat er nach erfolgtem Studium an der FFHS den Titel «EMBA, SUPSI» erlangt.

Heute ist er Projektleiter Technik bei der Cargo sous terrain AG und Dozent an der FFHS. Als einer der ersten Studierenden an der FFHS hat er die Entwicklung der Schule vom Start-up mit einer Handvoll Kommilitonen zur Fachhochschule mit über 2000 Studierenden, über 300 Dozierenden und fast 100 Mitarbeitenden hautnah miterlebt.

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