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Hans Widmer zum Jubiläum

Zum 20-Jahre-Jubiläum sprach die FFHS mit dem langjährigen Stiftungsrat Dr. Hans Widmer. Er hat als ehemaliger Nationalrat die Entstehung der Schweizer Fachhochschulen miterlebt und geprägt. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen.

Hans Widmer bei seiner Festansprache zum 20-Jahre-Jubiläum der FFHS.

Hans Widmer, als Nationalrat waren Sie um die Jahrtausendwende während über 10 Jahren in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur tätig. Was hat sich seit den Anfängen verändert?

Das Gesetz hat sich verfeinert. Dabei hat die FFHS mit der von Kurt Grünwald in die Wege geleiteten Initiative des Praxisintegrierten Bachelor-Studiums (PiBS) sicher eine Rolle gespielt. Sie hat einen Pilotversuch ausgelöst, der die Durchlässigkeit von gymnasialer Matura und Fachhochschulstudium verbessert. Es ist zu hoffen, dass aus dem erfolgreichen Versuch ein Definitivum wird. Die Konkurrenz ist stärker geworden. Die Studierendenzahlen zeigen, dass die FFHS bis jetzt dem wachsenden Wettbewerbsdruck innerhalb des Fachhochschulbereiches sehr gut gewachsen war, was aber keineswegs eine Garantie dafür ist, dass dies auch in Zukunft so sein wird. Es wird eine der grössten Herausforderungen der nächsten Jahre sein, durch qualitativ hochstehende, marktfähige sowie innovative Angebote weiterhin auf dem Wachstumspfad zu bleiben.

Worin lagen die grössten Herausforderungen für Politik und Hochschulen bei der Umsetzung der Fachhochschulreform?

Man musste sich nach zwei Seiten hin profilieren. Dem Wissenschaftlichen gegenüber war es ein nicht immer einfacher Weg, die Formel «gleichwertig, aber andersartig» überzeugend in die vorgegebenen eidgenössischen Forschungsstrukturen einzubauen. Der Begriff von der «angewandten Forschung» weist auf ein Spannungsfeld hin, in dem Fragen aufkommen, welche Art von Forschung nun bedeutsamer sei, die bloss «angewandte» oder die «Grundlagenforschung». Auch gab es Auseinandersetzungen zur Frage der Titelgebung (Professorentitel) und der Anzahl der zu unterrichtenden Stunden. Der Praxis gegenüber waren die Herausforderungen weniger gross, weil die Vorgängerinstitutionen, etwa die Technika, schon immer sehr nahe an den Märkten ausgebildet hatten.

Die Fachhochschulen sind eine Erfolgsgeschichte. Die Studierendenzahlen haben sich vervielfacht, die Absolventen sind begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Was würde der Schweiz fehlen ohne Fachhochschulen?

Fehlen würde die in eine erfolgreiche Praxis umgesetzte Wertschätzung für das duale Bildungswesen auf der tertiären Stufe. Diese Praxis findet übrigens weit über die Landesgrenzen hinaus grosse Anerkennung.

Die Idee einer Fernfachhochschule war 1998 visionär. Auch nahm die FFHS eine Sonderstellung ein, da sie regional übergreifend tätig ist. Wie bewerten Sie aus heutiger Sicht die Bemühungen aus dem Wallis?

Die Vision von damals ist Realität geworden und man darf im Wallis stolz darauf sein. Dies gilt insbesondere für Brig, den Sitz der FFHS. Der Oberwalliser Bildungsstadt hat die FFHS ihrerseits sehr viel zu verdanken. Es war auch ein Glücksfall, dass die Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) die neu erfundene Institution bei sich als Teilschule integriert hat. Für die Bildungslandschaft der Schweiz ist es ein Markenzeichen, dass zukunftsfähige Initiativen auch aus Bergkantonen kommen können, aus Kantonen nota bene, die auch noch Teile von verschiedenen Sprachregionen sind.

Computer und Internet wurden Ende der 1990er Jahre erst langsam massentauglich und ihre fortschreitende Verbreitung veränderte das Fernstudium enorm. Wäre die Entwicklung der FFHS so möglich gewesen ohne den technologischen Faktor?

Nein, denn die Technik scheint zwar auf Anhieb bloss eine äussere Form zu sein und insofern greift sie nicht auf den Kern der Inhalte über, aber sehr tiefgreifend auf deren Vermittlung. Auf dieser sehr weitreichenden und in einen dynamischen Prozess eingebundenen gegenseitigen Beeinflussung von Form und Inhalt beruht auch das von Kurt Grünwald anvisierte Ziel einer E-Hochschule.

Sie haben Philosophie studiert und unterrichteten viele Jahre als Mittelschullehrer. Welchen Blick werfen Sie auf die Digitalisierung der Bildung?

Sie ist unumgänglich und birgt riesige Vorteile, aber auch grosse Gefahren. Ohne Gegensteuer ist es durchaus möglich, dass ganze Institutionen, aber auch Einzelne ihre Identitäten zu wenig entwickeln und bewahren können. Auch darf die Gefahr eines massenhaften Verlustes von Arbeitsplätzen nicht kleingeredet werden, worauf Richard David Precht in seinem neuesten Buch «Eine Utopie für die digitale Gesellschaft» eindrücklich hingewiesen hat. Wenn in der von der künstlichen Intelligenz mehr und mehr beeinflussten Welt die Emotionalität der Menschen nicht kultiviert wird, könnte eine kalte Zukunft auf uns warten.

Als Sie in der Ausbildung waren, gab es noch kein Fernstudium. Hätten Sie sich für so etwas begeistern können?

Mit Sicherheit: Mein Traum war eine für alle zugängliche Institution, in der die besten Forschenden und Lehrenden der ganzen Welt zusammenarbeiten würden.

Sie haben sich viele Jahre mit Bildungsthemen auseinandergesetzt; als Nationalrat aber auch heute noch als Stiftungsratspräsident der FFHS. Worin liegt der Reiz an der Bildungspolitik?

Sie befasst sich mit dem für die Individuen und für die Gemeinschaft zentralen Bereich geistiger Inhalte. Die Bildungspolitik versucht sie derart zu organisieren, dass sie nicht nur einer Elite zugänglich sind, sondern möglichst vielen.

Wenn Sie einen Ausblick wagen: Wie wird die FFHS in 20 Jahren aussehen?

Heute sind 20 Jahre, was früher ein Mehrfaches war. Daher wäre es vermessen, konkrete Aussagen zu machen. Trotzdem: Studierende werden auch dannzumal noch Subjekte sein, welche sich in mehr oder weniger mühsamen Prozessen von der Gesellschaft vorgeschlagene Inhalte aneignen müssen, ohne dabei die Forschungsneugierde zu verlieren. Auch werden sie nach wie vor als soziale Wesen diesen Herausforderungen nur dann gewachsen sein, wenn sie nicht nur als kognitive Wesen, sondern vor allem auch als ganzheitliche Persönlichkeiten ernst genommen werden. Nur dann wird die für die Entwicklung zentrale Ressource der Kreativität nicht durch blosse Stoffbeigerei gefährdet.

Und zuletzt: Was wünschen Sie sich für die FFHS?

Ich wünsche der FFHS, dass sie trotz des auf sie zukommenden Konkurrenzdruckes ihr Leadership im Bereich Fernstudium aufrechterhalten kann. Dass sie dank der von der Gründergeneration gesetzten Werte bei den Studierenden, den Lehrenden und Forschenden Individualität und Sozialität in Einklang zu bringen vermag. Dass sie den Ansprüchen von angewandter Forschung in einer sich immer rasanter entwickelnden Wissensgesellschaft gewachsen ist und dass sie ihre Stellung als Teilschule der SUPSI sowie als Player mit einem Alleinstellungsmerkmal stets neu zu reflektieren vermag.

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