Welches Studium passt zu mir? Sehen Sie auf einen Blick, welche Studiengänge für Sie in Frage kommen

Stein für Stein zum Erfolg

Die Curling-Weltmeisterin und FFHS-Studentin Marisa Winkelhausen verfolgt viele Ziele – im Sport, Beruf und Studium. Aber auch ihr Tag hat nur 24 Stunden. Da ist eine durchdachte Organisation unumgänglich, um in allen Bereichen erfolgreich zu sein. Text: Mario Schuler.

Ihr Blick ist fokussiert, komplett auf das Haus gerichtet. Gekonnt stösst sie sich an der Kante ab und gleitet mit dem runden Stein über das Eis. Bevor sie diesen loslässt, versetzt sie dem Stein gefühlvoll einen leichten Drall. Auf ihr Kommando hin wischen die Kolleginnen mit den Besen, damit der Stein Hindernisse aus dem Weg räumt und optimal im Haus zu liegen kommt. Curling ist die grosse Leidenschaft von Marisa Winkelhausen. Ihr ordnet sie vieles unter, aber sie beweist auch, dass mit einer ausgereiften Organisation und Selbstdisziplin Arbeit, Spitzensport und Studium erfolgreich kombiniert werden können. 

 

Studium auf Achse
Marisa Winkelhausen studiert an der FFHS im sechsten Semester Betriebsökonomie. Dabei schätzt die 29-Jährige die intellektuelle Herausforderung als Abwechslung zum sportlichen Alltag. Gelerntes kann sie häufig in den jeweils anderen Bereich transferieren. Aufgewachsen ist Winkelhausen in Port bei Biel. Aufgrund ihres vielseitigen Engagements ist sie aber viel auf Achse:

sie wohnt in Zürich, arbeitet in Bern, spielt Curling bei Baden Regio, bestreitet Trainings und Wettkämpfe in der ganzen Schweiz und im Ausland. «Da kommt mir das ortsunabhängige Studium der FFHS sehr entgegen, wo ich unterwegs und nach Feierabend den Schulstoff aufarbeiten kann», erklärt die Curlerin überzeugt. Dennoch sei der Präsenzunterricht wertvoll, um Fragen zu stellen und sich mit Kommilitonen auszutauschen. Besonders dankbar ist die Sportlerin für den Support der FFHS bei der Prüfungsplanung, was sie als keineswegs selbstverständlich erachtet. 

 

Zwischen Eishalle und Arztpraxis
Winkelhausen hat mit 13 Jahren verhältnismässig spät mit dem Curling begonnen. Es wurde ihr aber in die Wiege gelegt. Schon ihre Eltern und Grosseltern übten die äusserst taktische Sportart mit Steinen und Besen aus. Curling ist eine der vielen Randsportarten in der Schweiz, von denen man nicht leben kann. Um den Sport dennoch auf Weltklasseniveau ausüben zu können, ist Winkelhausen dankbar für die Flexibilität ihres Arbeitgebers. Die Spitzensportlerin ist ausgebildete Augenoptikerin. Dank ihres Flairs für Zahlen regelt sie heute bei einem Sportarzt in Bern die Buchhaltung. Das Fünfzig-Prozent-Pensum erlaubt es ihr, im Sommer mehr zu arbeiten und diese Stunden während der Curling-Saison zu kompensieren. 

 

Ohne Fleiss kein Preis
Im Team trainiert die FFHS-Studentin wöchentlich mindestens zweimal, hinzukommen drei individuelle Trainings, wo sie im Fitnesscenter in erster Linie an Kraft und Ausdauer feilt. Curling entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer sehr athletischen Sportart, wo der Fitnesszustand einen immer zentraleren Stellenwert eingenommen hat. «In diesem Bereich können wir relativ viel herausholen, was in entscheidenden Situationen den Unterschied ausmachen kann», führt die Bielerin aus. Die grösste Herausforderung im Curling besteht darin, auf den Punkt genau bereit zu sein, um die geforderte Leistung abrufen zu können. «Aus diesem Grund nehmen im Curling die Arbeiten im Mentalbereich enorm viel Platz ein. Von der Sportpsychologie kann ich aber nicht nur im Sport, sondern auch besonders viel fürs Leben profitieren.» 

 

Auf Erfolgsspur
Der grösste Lohn für die harte Arbeit sind die Erfolge. 2015 gipfelte die Karriere von Winkelhausen und ihrem jungen Team im japanischen Sapporo im Weltmeistertitel. «Solche Erfolge entschädigen für so vieles. Das Training ist das eine, zahlreiche andere Dinge wie Familie, Freunde, Hobbies, die ich etwas vernachlässigt hatte, das andere. Das gibt einem ein Gefühl der Genugtuung, dass sich der grosse Aufwand gelohnt hat.» Nach drei Schweizermeistertiteln bei den Juniorinnen konnte Winkelhausen und ihr Team rund um Skip Alina Pätz heuer ihre zweite Goldmedaille bei den Frauen feiern. Diese berechtigte sie im Frühling zur Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Peking. Ende Jahr wird sich zeigen, ob das Team die Schweizer Vorausscheidung für ihr nächstes ehrgeiziges Ziel schaffen wird: die olympischen Spiele 2018 in Südkorea. 

 

Bachelor als grösstes Ziel
Ehrgeizig war die Bielerin schon als Jugendliche gewesen und ist es noch heute – sportlich wie beruflich. «Wichtig ist, dass ich mir immer neue Ziele setze, um stets voranzukommen. Deshalb sehe ich den Bachelor-Abschluss als mein derzeit grösstes Ziel abseits des Curlings», so die Wahlzürcherin. Dieser sei sehr wertvoll, weil er ihr nach der sportlichen Karriere mehr Perspektiven in der Arbeitswelt gebe. Da ihr der Sport enorm viel Freude bereite, würde sie später gerne in einer Schnittstelle zwischen Sport und Wirtschaft arbeiten, wo sich ihre Erfahrungen aus dem Curling und dem Studium bestens ergänzen würden. Winkelhausen weiss, was sie will und geht beharrlich ihren Weg – Stein für Stein.

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