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Jahrestagung Industrie 2025: Von der Vision zur Realität

Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Swissmem-Präsident Hans Hess und IT-Sicherheitsspezialist beim Bund Pascal Lamia tauschten sich am 17. Mai 2018 an der Fachtagung Industrie 2025 zum Stand der Digitalisierung in der Schweizer Industrie aus. Iteratives Vorgehen, mehr Risikobereitschaft und Interfaces für alle sind gefordert. Autor: Daniel Fiechter*  

Rekordverdächtige 300 Teilnehmer haben sich in Windisch eingefunden. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hielt die Eröffnungsansprache und zeigte damit die Bedeutung der Plattform Industrie 2025 auf. In seiner Ansprache legte er besonderen Wert auf die stetige Weiterbildung auf allen Stufen und in jedem Alter. Hans Hess, Präsident von Swissmem, folgte diesem Keynote und unterstrich, dass die Bedeutung des lebenslangen Lernens noch nie grösser war als jetzt. Der Ruf nach stetiger Weiterbildung, respektive der Befähigung von Mitarbeitern aller Stufen, zog sich denn auch wie ein rotes Band durch sämtliche Referate an diesem vollgepackten Tag.

Schrittweises Vorgehen nötig

Im Gegensatz zu bisherigen Durchführungen waren die Referate praxisorientierter und weniger theoretisch. Im ersten Teil wurden verschiedene Industrie 4.0-Projekte vorgestellt. Von einer durchgängigen Firmenvision zur kompletten digitalen Transformation der ganzen Firma, bis hin zu durchwegs technisch orientierten Projekten, bei welchen der Schwerpunkt häufig auf dem «Retrofit» der Maschinenproduktion lag. Dabei geht es primär darum, die benötigten Daten der Produktion zugänglich zu machen und mit bestehenden Systemen zu verknüpfen. Gerade bei diesen Projekten wurde deutlich, dass man gerne weiter wäre, gerne mehr Datenanalysen und Big Data-Auswertungen vornehmen würde, oftmals aber die Grundlagen sehr anspruchsvoll sind.

Maschinen von unterschiedlichen Herstellern, keine einheitlichen Schnittstellen, keine Konnektivität verkomplizieren die Digitalisierung. So war denn ein weiterer Tenor, dass ein schrittweises und iteratives Vorgehen unumgänglich ist, da viele Komponenten aufeinander aufbauen. Dies erfordert auch, dass die Organisation, Business und Technologien aufeinander abgestimmt werden zu einer ganzheitlichen Strategie.

Industrieunternehmen öffnen sich

Was sich ebenfalls zeigte: Bisher vermeintlich konservative Industriefirmen öffnen sich. Einerseits für neue Arbeitsformen, um die Kollaboration zu fördern und Fachkräfte anzuziehen. Andererseits aber gehen sie vermehrt auch Partnerschaften ein, um Industrie 4.0 Projekte stemmen zu können. Insbesondere im Bereich der Datenanalysen kommen Spezialisten zum Zug, da hier viele Unternehmen ein grosses Potenzial zur weiteren Effizienzsteigerung in der Produktion sehen. Aber auch die Visionen werden offener. Nicht selten gehen Plattformvisionen weit über das ursprüngliche Leistungsangebot hinaus und bisher komplementäre Unternehmen denken Plattformen mit ähnlichem Leistungsumfang an. Hier wird sich in Zukunft abzeichnen, worin die Erfolgsfaktoren für solche Plattformen liegen und wie weit diese Visionen tatsächlich getrieben werden.

 

Und konkrete Geschäftsmodelle?

Der Nachmittag versprach konkrete neue, digitale Geschäftsmodelle. Leider blieb das Programm hier etwas hinter den Erwartungen. Meistens waren die Geschäftsmodelle nur visionär vorhanden oder eher im Bereich verbesserter Kundenerlebnisse anzusiedeln. Hier braucht es noch etwas Zeit, bis die oben erwähnte Grundlagenarbeit soweit abgeschlossen ist, dass auch neue Geschäftsmodelle möglich werden.

Allerdings ist es durchaus positiv zu werten, dass vermehrt Wert auf durchgängige (und digitale) Kundenerlebnisse gelegt wird. Dies zeigt sich sowohl gegen aussen beim Umgang mit Kunden, als auch gegenüber internen Mitarbeitern. Etwa wenn «ein ansprechendes Dashboard» als Anforderungskriterium genannt wird. User Experience und Interaction Design halten auch in der Industrie Einzug.

Erfahrungsaustausch und Learnings

Abschiessend kann festgehalten werden, dass die Jahreskonferenz spannende Inputs vorgestellt hat. Komplett neue Geschäftsmodelle wurden nicht präsentiert, der Anlass hat sich aber als Plattform für den Erfahrungsaustausch klar etabliert. Offensichtlich wurde ausserdem auch, dass es für die grossen «Digitalisierungs» Vorhaben Risikobereitschaft braucht. Dies zieht auch ein Umdenken bei der Finanzierung nach sich: Banken betrachten den Wert von Investitionen in digitale Prozesse oder Geschäftsmodelle kritisch und sind daher sehr zurückhaltend mit der Finanzierung, im Gegensatz zu physischen Maschineninvestitionen. Hier besteht noch Handlungsbedarf.

Die wichtigsten Learnings des Tages zusammengefasst:

  • Digitale Transformation muss alle Ebenen (Business, Organisation und Technologie) erfassen und aufeinander abstimmen
  • Die Organisation und Mitarbeiter müssen mitentwickelt und befähigt werden für die Reise
  • Ein iteratives, stufenweises Vorgehen ist unumgänglich. Insbesondere technisch ist ein besonderes Augenmerk auf Schnittstellen und die Einbettung in die bestehende Umgebung zu werfen
  • Datenanalysen und -verständnis gewinnen zunehmend an Bedeutung, Machine Learning wird relevanter für die Auswertung
  • Das Erlebnis für Kunden und Mitarbeiter gewinnt an Bedeutung (z.B. einfach zu bedienende Oberflächen)
  • Es braucht weiterhin Risikobereitschaft, gerade für neue Geschäftsmodelle

 

*Daniel Fiechter doziert im MAS Industrie 4.0 Industrial Business Engineering mit Fokus auf neue (Service-)Geschäftsmodelle in der Industrie. Er ist Gründer und Inhaber der taktwerk GmbH, welche sich auf die Service-Prozessoptimierung bei Industrie-KMUs spezialisiert hat, durch die Verknüpfung von Beratungs- und Umsetzungskompetenz.

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