03.11.2023

Vize-Kanzler der Open University of Tanzania an der FFHS in Brig

Am 19. Oktober war Prof. Elifas Tozo Bisanda zu Gast am Hauptsitz der FFHS und des UNESCO-Lehrstuhls für personalisiertes und adaptives Fernstudium in Brig. Der Professor für Ingenieurwesen ist Vize-Kanzler der Open University of Tanzania (OUT) und aktuell Vorsitzender der UNESCO-Nationalkommission der Vereinigten Republik Tansania, was ihn primär nach Genf geführt hat.

In erster Linie kam Prof. Bisanda in die Schweiz, um an einem Meeting der UNESCO in Genf teilzunehmen, das die Inhaber von UNESCO-Lehrstühlen zusammenbringt. Er liess es sich gemäss eigener Aussage jedoch nicht entgehen, bei dieser Gelegenheit auch die FFHS persönlich zu besuchen: «Ich sagte zu meiner Assistentin, wenn wir schon einmal in der Schweiz sind, lass uns die Chance nutzen, um auch unsere Kolleginnen und Kollegen in Brig zu besuchen, wir sind uns doch ganz andere Wege und Distanzen gewohnt».

Gegenseitig wertvoller Austausch zwischen FFHS und OUT

Der Besuch des IFeL war natürlich von verschiedenen Programm- und Sitzungsterminen geprägt. Viele Themen konnten vor Ort besprochen werden. Im Gespräch betonte Bisanda: «Es ist uns sehr wichtig, den Kontakt mit dem Team rund um Prof. Dr. Per Bergamin zu halten und zu pflegen und es freut uns natürlich, dass es hier jetzt auch persönlich geklappt hat». Umgekehrt wird der Besuch ebenfalls besonders wertgeschätzt: «Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der OUT Tansania waren für uns immer sehr interessant und spannend. Das Arbeitsklima ist geprägt von gemeinsamem Vertrauen und vielen kreativen Ideen, trotz der sehr unterschiedlichen kulturellen Kontexte», so Prof. Dr. Per Bergamin, Leiter des IFeL und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für personalisiertes und adaptives Fernstudium.

Bisanda ist sehr froh um die Kooperation und den Kontakt mit der FFHS. Es geht vor allem darum, voneinander zu lernen, zu sehen wie die FFHS bestimmte Herausforderungen meistert, wie sie fachspezifische Fragestellungen angeht und welche Lösungen im Bereich des E-Learnings sie erarbeiten. Bisanda, auch Vorstandsmitglied der «Association of African Universities», hat dabei immer den Blick aufs grosse Ganze und denkt nicht nur an seine Institution. So weiss er, dass viele Probleme im Bildungswesen und bei notwendigen Infrastrukturen in Tansania sich auch über den ganzen Kontinent erstrecken und man nur durch gemeinsames Lernen und gegenseitiges Unterstützen etwas erreichen und verbessern kann.

Es ist sehr wichtig, so Bisanda, dass aus dem Beobachteten und Gelernten aber etwas Eigenes geschaffen wird. Es sollen eigene Systeme und Prozesse entwickelt werden, adaptiert auf ihre Situation und individuellen Umstände. Früher wurden auch Lizenzen und Tools, Systeme und Programme eingekauft. Sie scheiterten aber praktisch allesamt, da man solche Grundlagen nie einfach nur abkupfern kann, sie müssen eigens angepasst und selbst verinnerlicht werden. Die FFHS wird als Unterstützerin und Ratgeberin hierbei sehr geschätzt.

Lehrpersonen müssen besser ausgebildet werden

Der UNESCO-Lehrstuhl des 67-jährigen Professors hat mitunter die Förderung der Lehrerausbildung zum Ziel. Es gibt zwar viele Lehrer in seinem Land, aber es handle sich leider mehrheitlich um Quantität als um Qualität. Viele Lehrer wenden veraltete oder immergleiche Methoden an, lernen keine neuen Tools kennen und sind nicht offen oder nicht befähigt mit modernen Technologien umzugehen.

Tansania hat deswegen eine neue Policy formuliert, wonach Lehrer besser ausgebildet sein müssen und mit entsprechenden Skills ausgestattet werden sollen. Bisanda sagt, dass beispielsweise unter seinem Programm, Ingenieure – darunter auch viele arbeitslose aber hoch ausgebildete Menschen – zurückgeholt werden, um sie dahingehend weiterzubilden, dass sie kompetente Lehrpersonen werden und dieser landesweiten Policy gerecht werden können.

Neben der ungenügenden allgemeinen Situation um qualifizierte Pädagogen, stört sich Bisanda – der auch ehemaliger Vorsitzender des Verwaltungsrates des Instituts für Erwachsenenbildung in Tansania war – an bestimmten Grundeinstellungen vieler. Die Erfolgsrate bei Mathematik-Prüfungen sei beispielsweise sehr tief. Die Gründe dafür entstünden aber bereits mit einer schlechten und negativen Attitüde der Lehrer, die den Schülern immer und immer wieder vermitteln, dass Mathematik schwierig sei – und so bleibt Mathematik auch schwierig. Dieser pädagogischen Fehlhaltung muss durch bessere Ausbildung der Lehrer entgegengewirkt werden. «Mathematik muss mit Leichtigkeit und simpel vermittelt werden, die Schüler müssen Freude daran haben, dann verbessern sich auch die Resultate – und im Übrigen ist ja nichts einfacher als Mathematik, denn sie ist immer logisch», gibt der Professor für Ingenieurwesen zu Bedenken.

Bildung sollte für alle zugänglich sein

Was Bisanda persönlich sowie auch als Vize-Kanzler der OUT beschäftigt, ist der allgemeine Zugang zu Bildung. Mit seinem Engagement will er unter anderem möglichst vielen Menschen Bildung ermöglichen. Viele, die nie eine High School oder Universität besuchen konnten, sollen die Chance haben, dies dank der OUT nachholen zu können.

Ein ganz besonderes Anliegen ist es, Mädchen und junge Frauen stärker in die Bildung zu integrieren. Viele Eltern in seinem Land würden bevorzugt ihre Söhne in die Schule und vor allem später in höhere Ausbildungen schicken. Junge Frauen würden zudem oftmals schon verheiratet, bevor sie ein Studium beginnen können. Ganz markant sieht es in naturwissenschaftlichen Fächern wie Ingenieurwesen, Mathematik, Physik usw. aus. Unter den Studierenden in solchen technischen Disziplinen gab es noch vor wenigen Jahren kaum Frauen. Inzwischen gibt es spezifische Programme, um Frauen zurück an die Uni zu bringen, die zuvor nie die Chance dazu hatten.

Gender- und Chancengleichheit stünden weit oben bei Bisanda selbst und seiner Institution. All jene Menschen, die es wollen, sollten am Bildungswesen partizipieren können. Die Bemühungen scheinen gemäss Bisanda Früchte zu tragen. So konnte der Anteil an Frauen unter den Studierenden der OUT seit 2006 (26%) auf heute 44% gesteigert werden. Mit einem bewussten Fingerzeig weist er auch darauf hin, dass «die Erfolgsrate in praktisch allen Fächern und auf allen schulischen Stufen bei Frauen höher ist als bei Männern, was heisst, dass prozentual wesentlich mehr Frauen ihre Abschlüsse schaffen und weniger durchfallen oder ein Studium gar abbrechen».

Uns verbindet doch auch ein bisschen Eden

Auf die persönliche Frage hin, wie seine Eindrücke von der Schweiz – insbesondere auch des Rhonetals – seien, gibt Bisanda zu: «Ich bin sehr fasziniert und bewegt, was ich hier an Landschaft sehe. Ich erkenne viel, was mir bekannt vorkommt – natürlich auf eine andere Art und Weise, aber wo ich herkomme, dem Great Rift Valley, gibt es auch viel Natur mit Bergen, die ein umwerfendes Tal umgeben; es fühlt sich irgendwie heimisch an».

Bisanda ergänzt auch noch, dass er die «Schweizerinnen und Schweizer als warmherzig, äusserst höflich, tolerant und hilfsbereit empfinde». Hier in der Schweiz sei höchstens die Sprache hinderlich, denn man wisse ja nie, ob das Gegenüber nun Französisch, Deutsch oder sonst wie spreche. Zum Glück beherrsche er ein wenig Französisch, was ihm zumindest in Genf helfe.

Zum Abschluss des interessanten Gesprächs gibt Bisanda noch eine denkwürdige Bemerkung auf den Weg: «Ich weiss, dass auch Schweizer nach Tansania kommen, um die wunderschönen Nationalparks zu bestaunen. Wir haben einen grossen Teil des Garten Edens in unserem Land; die weltberühmte Serengeti und der Kilimandscharo, und all die wunderbaren Tiere. Ihr habt mit eurer Natur ebenfalls einen Teil davon und wisst es offenbar auch zu schätzen».