«Der Mensch ist und bleibt für mich im Mittelpunkt»
Als neue Stiftungsratspräsidentin der FFHS spricht Dr. Germaine J.F. Seewer über Verantwortung im Wachstum, digitale Umbrüche und die Frage, was Hochschulen heute leisten müssen – damit trotz Technologie Qualität, Austausch und der Mensch im Zentrum bleiben.

«Es braucht auch Mut, Neues zu wagen»: Dr. Germaine J.F. Seewer erreichte in der Schweizer Armee als erste Frau den Rang des Divisionärs.(Foto: Christian Pfammatter)
Dr. Germaine J.F. Seewer, Sie sind seit Sommer 2025 die Stiftungsratspräsidentin der FFHS. Mit welchen Zielen haben Sie Ihr Amt angenommen?
Der Stiftung der FFHS vorstehen zu dürfen und dies mit meinen Stiftungsratskolleginnen und -kollegen zu tun, ist eine grosse Ehre. Jede und jeder von uns trägt mit seinem Wissen und seiner Erfahrung einen entsprechenden Beitrag für die FFHS bei und wir gehen gemeinsam die Herausforderungen an. Es geht um die Institution FFHS!
Die FFHS ist seit Jahren im Wachstumsmodus, gegenüber dem letzten Jahr verzeichnet sie einen Rekordzuwachs von 10 Prozent auf 3800 Studierende. Was macht die FFHS richtig?
Die FFHS macht aus meiner Sicht vieles richtig, indem sie in einem dynamischen Bildungsmarkt klare Bedürfnisse adressiert: flexible Studienmodelle, praxisnahe Inhalte und eine konsequente Ausrichtung auf digitale und berufsbegleitende Bildung. Das erklärt auch den erfreulichen Studierendenzuwachs.
Gleichzeitig ist es mir wichtig zu betonen, dass nachhaltiger Erfolg für eine Hochschule nicht allein an quantitativen Wachstumszahlen gemessen werden sollte. Entscheidend ist, dass mit dem Wachstum die Qualität von Lehre, Betreuung und akademischer Substanz Schritt hält – oder idealerweise sogar gezielt weiterentwickelt wird. Die zentrale Frage ist daher weniger «Wie schnell wachsen wir?», sondern «Wie sichern und stärken wir unsere Qualität und unser Profil im Wachstum?» Gerade hier sehe ich für die FFHS auch künftig grosses Potenzial.
Die Digitalisierung und die Möglichkeiten von KI werden als Gamechanger bezeichnet. Die Arbeitswelt wandelt sich, die Hochschulen reagieren. Welche Herausforderungen warten auf die FFHS?
Für den Arbeitnehmenden heisst dies: Anpassung und damit verbunden lebenslanges Lernen. Dazu braucht es entsprechende Angebote, die mit der heutigen Arbeitswelt und ihren Anforderungen an Berufs- und Privatleben kompatibel sind. Wie andere Hochschulen auch tut die FFHS gut daran, sich nicht auf ihrem Erfolg auszuruhen, sondern die Entwicklungen zu verfolgen, Möglichkeiten und Machbarkeit für sie zu analysieren, entsprechend zu investieren und in der Folge mit qualitativ hochstehenden Produkten aufzuwarten.
In diesem Zusammenhang darf die Frage erlaubt sein: Wo bleibt der Mensch? Wie wichtig ist das soziale Aufeinandertreffen auf dem Campus?
Der Mensch ist und bleibt für mich im Mittelpunkt – unabhängig ob Studierende, Dozierende, Supportleistende, etc. Die FFHS bietet seit nunmehr über 25 Jahren eine einzigartige Studienform an, bei der auch der zwischenmenschliche Austausch immer schon seinen Platz hatte und der zwingend beibehalten werden muss. Und zwar über die Studiengänge hinaus – Stichworte Erfahrungsaustausch und Netzwerk.
Sie selbst haben an der ETH Zürich studiert und promoviert. Ihr anschliessender Karriereweg führte sie über Positionen im In- und Ausland bis zu Ihrer heutigen Funktion als Chefin Internationale Beziehungen Verteidigung bei der Schweizer Armee. Was ist Ihnen wichtig in der Karriereplanung?
Unsere heutige Zeit bietet uns allen ganz viele Möglichkeiten – es gilt, diese Möglichkeiten zu sehen und entsprechende Herausforderungen anzunehmen, aber auch den Mut zu haben, etwas Neues zu wagen. Und sei es eben eine berufsbegleitende Aus- und Weiterbildung. Die jeweilige Entscheidung muss letztendlich jede und jeder selbst treffen.
Sie sind in Leuk aufgewachsen und reisen so oft wie es geht zurück ins Wallis. Was bedeutet Ihnen das Wallis?
Ganz einfach, es ist meine Heimat, es ist das Umfeld, das mich prägt und trägt. Es ist auch mein Rückzugsort.
Auch die FFHS hat die Wurzeln im Wallis. Wie wichtig ist der Standort in Brig?
Brig ist seit jeher ein Ort der Bildung und Ausbildung. Mit der FFHS – und der FernUni Schweiz – wird dieses Angebot ergänzt. Die FFHS muss sich aber auch – wie sie im Namen trägt – klar als Fernfachhochschule der Schweiz sehen und positionieren.
Ein Fernstudium ist nicht immer ein Zuckerschlecken, sondern erfordert Disziplin und Selbstmotivation. Was möchten Sie den Studierenden mit auf den Weg geben?
Wer rastet, der rostet – ein Spruch, der heute mehr denn je Gültigkeit hat. Ich muntere die Studierenden auf, diesen Effort einer derartigen Ausbildung auf sich zu nehmen. Ihr Umfeld bitte ich, die Studierenden in ihrer Wahl zu unterstützen. Der Aufwand lohnt sich, auch wenn er im Augenblick vielleicht nicht als solcher wahr genommen wird.
Was wünschen Sie der FFHS für die Zukunft?
Der FFHS wünsche ich den notwendigen Weitblick und die dazu gehörende Anpassungsfähigkeit, ohne dass sie dabei ihre Alleinstellungsmerkmale und ihre Stärke aus den Augen verliert. All den Menschen, die die FFHS ausmachen, danke ich von Herzen für ihr Engagement: Sie sind es, die mit ihren Ideen, mit ihrer Arbeit, mit ihrer Motivation die FFHS zu dem machen, was sie ist.
