Von der FFHS zum Doktortitel
Dr. Philipp Meyer, Fachbereichsleiter an der FFHS, hat ein Doktoratsstudium an der Middlesex University (London) abgeschlossen und den Titel «Doctor of Business Administration» erworben. Im Interview erzählt er, was er in seiner Dissertation untersucht hat und wie weit der Weg zum Doktortitel war.

Dr. Philipp Meyer anlässlich der Feier zum Doktortitel an der Middlesex University in London. (Foto: ZVG)
Dr. Philipp Meyer, wie weit war der Weg bis zum Doktortitel?
Der Weg war weit und auch sehr herausfordernd. Ich habe bereits berufsbegleitend einen Bachelor- und einen Masterabschluss an der FFHS erworben und dachte, dass ich auch das Doktoratsstudium so gut mit meinem Job und der Familie vereinbaren kann. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass ich mehr investieren muss. So habe ich mein Arbeitspensum zuerst auf 80 Prozent und dann nochmals substanziell reduziert, um es in der vorgegebenen Zeit zu schaffen.
War der Doktortitel schon immer Ihr Ziel?
Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich für das Doktorat entschieden, weil es mir die Möglichkeit gibt, in meinem Bereich zu forschen. Nach all den Jahren in der Praxis wollte ich Fragen, die mir auf dem Shopfloor immer wieder begegnet sind, einmal gründlich untersuchen. Ich hatte die Freiheit, ein Thema zu wählen, das mich interessiert. Das bot mir keine andere Weiterbildung.
In Ihrer Dissertation haben Sie sich mit agilen Ansätzen der Arbeitsorganisation beschäftigt. Erklären Sie kurz.
Die Intralogistik steht unter ständigem Anpassungsdruck: Volatile Märkte, unterbrochene Lieferketten und technologische Innovationen erfordern kurze Reaktionszeiten und hohe Flexibilität. Gleichzeitig prägen standardisierte Prozesse, Schichtarbeit und überwiegend manuelle Tätigkeiten weiterhin den Arbeitsalltag in der Intralogistik. Ich habe untersucht, wie agile Methoden, Praktiken und Tools auf die spezifischen Bedingungen manueller Arbeit in der Intralogistik übertragen werden können. Dabei geht es um Agilität aus der Blue-Collar-Perspektive. Dafür habe ich rund 23 Experteninterviews in Schweizer Industrie- und Handelsbetrieben geführt. Die zentrale Frage ist, wie Teams so organisiert werden können, dass sie schneller auf Störungen reagieren, Entscheidungen näher am Ort der Wertschöpfung treffen und kontinuierlich lernen.
Von der Berufslehre zum Doktortitel: Sie sind das beste Beispiel für das durchlässige Bildungssystem der Schweiz.
Ja, es ist wirklich einzigartig, dass dies möglich war. Für mich war der Praxisweg nie ein Umweg, sondern eine eigenständige Route, die bis zum Doktorat führen kann. Wenn man den Willen hat, ist alles machbar, auch wenn es ein langer und herausfordernder Weg war.
Was raten Sie jungen Studierenden, wenn Sie den gleichen Weg wie Sie einschlagen wollen?
Sie sollten sich an die Erfolgsformel halten, die aus drei Faktoren besteht. Intelligenz, Motivation und Organisation. An der Intelligenz lässt sich zwar nichts ändern, sie hängt jedoch mit Motivation und Organisation zusammen. Wenn die Motivation fehlt, wird sich kein Erfolg einstellen, egal wie intelligent man ist. Wer eine Weiterbildung beginnt, ist in der Regel motiviert. Der Rest ist Organisation. Gut organisiert und motiviert können Schritt für Schritt alle Ziele erreicht werden.