«Meine Leidenschaft fürs Unterrichten habe ich im Karate entdeckt»
Dr. Nico Sütterle ist der neue Studiengangsleiter der Bachelorstudiengänge Betriebsökonomie und Betriebsökonomie Sportmanagement. Im Interview verrät er, mit welcher Sportart er seine bisherige Karriere vergleicht, was die wichtigste Kompetenz für Berufstätige ist und welchen Rat er gerne zu Beginn seines Studiums erhalten hätte.

«Die wichtigste Kompetenz für Berufstätige in der Wirtschaft ist die Lernfähigkeit», sagt Studiengangsleiter Dr. Nico Sütterle.
Dr. Nico Sütterle, wenn Sie Ihre Karriere mit einer Sportart vergleichen müssten: Welche wäre das und warum?
Karate, welches ich selbst jahrelang auf Leistungsniveau betrieben habe. Es verlangt nämlich zwei Dinge gleichzeitig: jahrelange, geduldige Grundlagenarbeit, um die Fähigkeit zu erlernen, im Kampf blitzschnell zu reagieren. Genau so war mein Weg: Studium und Doktorat als geduldiges Fundament, als Dozent und Unternehmer kam das Reagieren im Moment. Und im Karate ist man immer beides – Schüler des höheren Gurts und Lehrer des tieferen. Das ist im Grunde der akademische Weg in einem Bild.
Sie sind der neue Studiengangsleiter für die Bachelorstudiengänge Betriebsökonomie und Betriebsökonomie Sportmanagement. Was hat Sie an der Aufgabe besonders gereizt?
Mich hat gereizt, dass ich hier gestalten kann. Die FFHS ist für Menschen gemacht, die schon mitten im Berufsleben stehen oder andere Verpflichtungen wie beispielsweise Familie oder Spitzensport haben und den nächsten Schritt gehen wollen. Ich darf Studiengänge weiterentwickeln, welche genau darauf abzielen.
Sie kennen Wirtschaft, Forschung und Unternehmertum aus erster Hand. Welche Ihrer Erfahrungen möchten Sie an die Studierenden weitergeben?
Aus jeder der drei Welten möchte ich etwas weitergeben: Aus der Forschung das evidenzbasierte Denken und Hinterfragen von Annahmen. Aus der Wirtschaft, dass Entscheidungen häufig unter Zeitdruck und mit unvollständigen Daten getroffen werden. Die Lehrbuch-Lösung ist nicht immer die Nützlichste, da die Realität meist viel komplexer ist. Und aus dem Unternehmertum möchte ich weitergeben, dass man Verantwortung übernehmen und handeln kann, nicht nur analysieren. Diese drei Welten sind keine getrennten Silos. Wer zwischen ihnen übersetzen kann, ist im Beruf unersetzbar.
Sie haben sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen gelehrt. Was zeichnet für Sie ein praxisnahes und zukunftsorientiertes Studium aus?
Praxisnah heisst für mich nicht «Praxis statt Theorie», sondern Theorie, die sofort am realen Fall getestet wird. Gerade an der FFHS bringen die Studierenden ihre eigenen betrieblichen Fragestellungen mit in den Unterricht. Dieser Fluss in beide Richtungen ist Gold wert. Zukunftsorientiert heisst: haltbare Kompetenzen vermitteln, wie beispielsweise analytisches Denken, Anpassungsfähigkeit, lernen zu lernen. Themen wie Digitalisierung und KI gehören dabei als Realität des Arbeitsplatzes in den Unterricht. Und ehrlich gesagt ist unser Blended-Learning-Modell selbst schon zukunftsorientiert: flexibel und selbstgesteuert – genau so, wie Menschen über eine ganze Laufbahn hinweg weiterlernen.
Welche Erfahrungen aus der Praxis möchten Sie in die Weiterentwicklung der Studiengänge einbringen?
Ich bringe ein sehr breites Netzwerk aus den verschiedensten Branchen mit und weiss, vor welchen Herausforderungen die Unternehmen stehen. Das alles lässt sich in weitere Praxispartnerschaften, Gastvorlesungen und Projektarbeiten übersetzen. Die Inhalte müssen an dem ausgerichtet bleiben, was Arbeitgeber auch zukünftig wirklich brauchen. Ein Studiengang darf nie ein geschlossener Raum sein, er muss atmen und sich mit der Praxis mitentwickeln.
Welche Kompetenzen werden Berufstätige in der Wirtschaft künftig am meisten brauchen?
Die wichtigste Kompetenz ist die Lernfähigkeit. Die Halbwertszeit von Wissen sinkt, also wird das «Lernen zu lernen» zur Schlüsselfähigkeit. Dazu kommt kritisches und analytisches Denken, gerade im Umgang mit KI: nicht nur Inhalte produzieren lassen, sondern beurteilen und prüfen können. Datenkompetenz gehört ebenso dazu. Und dann die menschlichen Fähigkeiten, die keine KI ersetzt, wie unter anderem Kommunikation, Zusammenarbeit, Urteilsvermögen und Ethik.
Welchen Rat hätten Sie rückblickend gerne schon zu Beginn Ihres Studiums erhalten?
Fokussiere dich nicht zu sehr auf Noten und Prüfungen oder auf den gefühlt einen «richtigen» Pfad. Früher wollte ich immer in einer Bank arbeiten und habe alle anderen Optionen ausgeblendet. Es ist aber unglaublich wertvoll, sich schon früh andere Kompetenzen anzueignen, um auch neue Pfade zu entdecken. Diese Kompetenzen lernt man unter anderem durch Praxiserfahrung in verschiedenen Bereichen während des Studiums, aber auch durch andere Tätigkeiten wie ehrenamtliches Engagement. Meine Leidenschaft fürs Unterrichten habe ich im Karate entdeckt und plötzlich konnte ich mir vorstellen, später auch einmal Lehrer oder Dozent zu werden. Und diese Entscheidung habe ich nie bereut.