Zwischen Familie, Beruf und Studium: «Mut zur Lücke» als Erfolgsrezept
Flexibilität, Organisation und Selbstdisziplin: Was ihr als Mutter im Alltag hilft, bringt Katrin Kessler-Schlüssel auch im berufsbegleitenden Bachelorstudium Ernährung und Gesundheit an der FFHS weiter. Umgekehrt hat sie von den Dozentinnen an der FFHS gelernt, dass es nicht perfekt sein muss, um gut genug zu sein.

«Disziplin ist das Wichtigste für ein berufsbegleitendes Studium», sagt Katrin Kessler-Schlüssel. (Fotos: zvg)
Eine Familie ist wie ein kleines Unternehmen, das gemanagt werden muss. «Als Mutter braucht man vor allem viel Selbstdisziplin. Und diese Disziplin ist auch das Wichtigste für ein berufsbegleitendes Studium», sagt Katrin Kessler-Schlüssel. Die 44-Jährige hat zwei Kinder im Alter von 13 und 16 Jahren. Ihr Sohn hat eine Entwicklungsbehinderung. «Er ist auf meine Hilfe angewiesen. Deshalb versuche ich während den Schulferien abends für das Studium zu lernen. Oft helfen auch meine Mutter oder meine Schwiegereltern aus. Ich möchte die Fremdbetreuung aber so gering wie möglich halten», fasst Kessler-Schlüssel zusammen.
Und dennoch – als sie ihrem Umfeld von ihren Plänen erzählte, zu studieren, war die Unterstützung von Anfang an gross. «Wenn du das machen willst, schauen wir, dass es geht», hiess es seitens ihrer Familie. Sie selbst hatte zu Beginn des Studiums etwas Respekt, weil seit ihrer letzten Weiterbildung bereits einige Zeit vergangen ist.
Der Gesellschaft etwas Gutes tun
Katrin Kessler-Schlüssel ist gelernte Drogistin und hat zehn Jahre in der Pharmaindustrie gearbeitet. Sie hat zudem eine Weiterbildung im Ernährungsbereich absolviert. Aktuell ist sie für die Infothek der Berufs- und Weiterbildungsberatung Obwalden (BIZ) zuständig. Aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit kennt sie viele Fachhochschulen, für die FFHS hat sie sich aufgrund des flexiblen Studienmodells entschieden. Sie studiert Ernährung und Gesundheit und ist mittlerweile im sechsten Semester. «Gesundheitsthemen begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Und Gesundheitsförderung und Prävention interessieren mich sehr. Ich möchte später der Gesellschaft etwas Gutes tun», sagt Kessler-Schlüssel. Hatte ihre Studienwahl auch etwas mit der Beeinträchtigung ihres Sohnes zu tun? Dazu Kessler-Schlüssel: «Nein eigentlich nicht. Während des Studiums habe ich jedoch gemerkt, dass es für Menschen mit Beeinträchtigungen viel weniger Hilfsmittel bei der Gesundheitsförderung gibt und Präventionskampagnen auf die breite Bevölkerung ausgerichtet sind.»
Wenn alles perfekt sein muss
Zu Beginn des Studiums brauchte die zweifache Mutter etwas Zeit, um sich einzugewöhnen, und sich unter anderem sich auf der Lernplattform Moodle zurechtzufinden, erinnert sie sich. Aber irgendwann hatte sie den Dreh raus – bis ihr ihr Perfektionismus einen Strich durch die Rechnung machte. «Am Ende des ersten Studienjahres kam ich so an meine Grenzen, dass ich das Modell wechseln musste. Ich bin eine absolute Perfektionistin, habe mir aber zu viel abverlangt», erzählt Kessler-Schlüssel. Eine Dozentin im Modul Ernährungspsychologie habe ihr dann geholfen zu erkennen, dass sie nicht alles selbst und vor allem nicht alles perfekt machen müsse. «Es reicht, wenn ich nur 80 Prozent investiere, weil es so auch gut ist. An dieser Einstellung habe ich gearbeitet und jetzt kann ich wieder alle Module besuchen und es geht mir viel besser.» Nach wie vor falle sie manchmal in alte Muster zurück, habe aber gelernt, Gegensteuer zu geben: «Allen, die so viel unter einen Hut bringen müssen, rate ich, Mut zur Lücke zu haben.»
Aber auch in anderen Modulen des Bachelors Ernährung und Gesundheit hat sie viel gelernt. Beispielsweise über lösungsorientierte Kommunikation und Beratung. Das bisher Gelernte aus dem Studium hilft ihr nicht nur privat, sondern auch im Beruf. Bei ihrer Arbeit im BIZ ist Keller-Schlüssel auch für den Check von Bewerbungsunterlagen verantwortlich. Früher hat sie diesen nach den vorgeschriebenen Punkten abgearbeitet, heute geht sie es anders an. «Ohne die nötigen Kriterien ausser Acht zu lassen, habe ich jetzt einen anderen Zugang zu den Bewerberinnen und Bewerbern. Ich überlege mir, wo ihre Stärken sind oder was sie noch ändern könnten.»
Katrin Kessler-Schlüssel schätzt das FFHS-Studienmodell für seine Flexibilität, die es ihr erlaubt, ihren Job, Familie und Studium zu vereinbaren. Wie fragil das Gefüge ist, zeigte sich nach dem vierten Semester, als der Präsenztag von Samstag auf Montag verschoben wurde. «Ein Hauptgrund für die Wahl des Studiums an der FFHS war auch, dass der Präsenztag an einem Samstag und nicht an einem Wochentag war, da mein Mann am Samstag frei hat uns sich um die Kinder kümmern kann. Alles umzuplanen war definitiv nicht einfach. Wenn dann mal die Kinderbetreuung ausfällt, kann ich mich nicht online dazu schalten und verpasse viel.» Die Präsenztage seien aber sehr wichtig und hilfreich, um den Stoff zu vertiefen und sich auch mit den anderen Studierenden auszutauschen.
Kleine Kaffeepause
Erholung findet Kessler-Schlüssel am Wochenende bei gemeinsamen Ausflügen mit ihrer Familie in der Natur – das gibt ihr neue Energie. Ausserdem hat sie ein kleines Ritual: Einmal in der Woche trinkt sie vor der Arbeit allein in aller Ruhe einen Kaffee. Dabei kann sie auch gut über ihre Zukunft nachdenken. Und wie sieht diese aus? «Nach dem Studium würde ich sehr gerne in der Gesundheitsförderung oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig sein.»

