Melanie Biaggi 15.01.2026

Der Glaube an sich selbst – Livia Pengs Erfolgsrezept

Spätestens seit der Frauen-EM diesen Sommer in der Schweiz kennen nicht nur eingefleischte Fussballfans Livia Peng. Die Torhüterin des Schweizer Frauennationalteams wusste schon als Kind, dass sie im Tor stehen will. Mit 13 Jahren zog sie aus, um diesen Traum zu verwirklichen. Kein einfacher Weg.

Bei Livia Peng sind die Erinnerungen an die FrauenEM noch immer präsent. Gelegentlich schaut sie sich gerne die Videos und Bilder von diesem Sommer 2025 an, als gefühlt die ganze Schweiz zur Fussballnation wurde. Die Fanmärsche, die Euphorie der Zuschauer im Stadion – es war eine ganz spezielle Stimmung und Energie. «Es schien fast so, als hätte diese Heim-EM die ganze Schweiz zusammengeschweisst. Das bewegt mich heute noch und macht mich stolz», sagt Livia Peng.

Ende 2024 erklärte Trainerin Pia Sundhage, dass Elvira Herzog die Nummer 1 werde. «Das war ein Rückschlag», erinnert sich Peng. Trotzdem glaubte sie immer an ihre Chance. Und es kam alles anders. Sechs Tage vor dem ersten EM-Gruppenspiel machte Sundhage Livia Peng zur Nummer 1: «Ich habe mich riesig gefreut, aber der Druck stieg plötzlich auch von 0 auf 100.»

Immer das Ziel vor Augen

Die heute 23-Jährige kam durch eine Schulfreundin zum Fussball, die bei den Jungs spielte und gefragt hat, ob sie nicht auch mal mitkommen möchte. Peng begleitete sie und es gefiel ihr auf Anhieb. Ihre Kollegin verliess kurze Zeit später die Mannschaft, sie blieb. Mit acht Jahren bekam sie Goalie-Handschuhe geschenkt, die sie unbedingt ausprobieren wollte. So kam sie ins Tor und steht bis heute zwischen den Pfosten.

«Ich habe immer an meine Träume und mich selbst geglaubt. Dank meines grossen Willens konnte ich bisher vieles erreichen, was ich mir vorgenommen habe», erklärt Peng. Mit 13 Jahren zog die junge Bündnerin ins Ausbildungszentrum des Schweizerischen Fussballverbands. An mögliches Heimweh oder andere Herausforderungen habe sie damals nicht gedacht, sie habe nur ihr Ziel vor Augen gehabt.

Inzwischen kann die junge Fussballerin bereits auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken. Ein weiterer Höhepunkt: Diesen Sommer wechselte sie vom SV Werder Bremen zu FC Chelsea Women, in die wohl beste Frauenfussball-Liga der Welt.

Mentale Stärke will trainiert werden

Wer Profisport so wie Livia Peng betreibt, muss vor allem auch über mentale Stärke verfügen. Diese Stärke zu entwickeln sei ein stetiger Prozess, sie arbeite immer noch daran, erklärt Peng. Als Torhüterin müsse sie Ruhe ausstrahlen, die sich dann von hinten auf das gesamte Team übertrage. «Früher war ich viel hektischer und habe mich auch enorm unter Druck gesetzt. Aber mit jedem Spiel sammle ich neue Erfahrungen und lerne dazu.» Herausfordernd waren für Peng jene Phasen, in denen sie wenig spielen durfte oder sich in einem Land oder in einem Team nicht richtig wohlfühlte. «Ich glaube, es ist ganz normal, dass man manchmal ein bisschen zweifelt. Wichtig ist dann, dass man sich daran erinnert, was man alles schon geschafft hat», so Peng.

Livia Peng findet Kraft und Halt in ihrem Umfeld – in ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Teamkolleginnen. Mit ihnen kann sie über alles reden, was sie gerade beschäftigt. «Mir hilft es, darüber zu reden.» In der Nationalmannschaft, aber auch in ihrem aktuellen Club Chelsea arbeitet sie zuweilen auch mit Mental Coaches zusammen. Sie hat sich vorgenommen, sich in Zukunft in ihrem hektischen, durchgetakteten Alltag mehr Zeit für sich selbst zu nehmen, bisher sei dies allerdings nicht ganz einfach – aber sie arbeite daran.

Zukunftsaussichten vor Augen

Wenn die Profifussballerin nicht auf dem Platz steht oder trainiert, studiert sie im dritten Semester Betriebsökonomie Sportmanagement an der FFHS. Auf das flexible Studienmodell der FFHS wurde sie durch ihre Nati-Teamkollegin Lia Wälti aufmerksam. Die Disziplin, die sie als Torhüterin brauche, helfe ihr jetzt auch im Studium. «Durch den Fussball habe ich gelernt, disziplinierter zu sein. Da ich durch den Sport nicht allzu viel Zeit habe, lerne ich auch effizient zu arbeiten.»

Und umgekehrt? Was konnte sie bereits aus dem Studium in ihren Alltag mitnehmen? «Ich habe einen Eindruck davon gewonnen, welche beruflichen Perspektiven es im Sportmanagement gibt. Es würde mich schon sehr reizen, später vielleicht einmal als Teammanagerin zu arbeiten.» Besonders spannend findet sie Managementthemen: «Im Gymnasium hatten wir nur einen kleinen Einblick in Wirtschaftsthemen. Jetzt sehe ich viele Zusammenhänge, die mir vielleicht auch einmal bei Vertragsabschlüssen oder anderen Themen helfen werden.»

Peng betont, dass ein Studium für sie nur dank der Flexibilität der FFHS möglich sei. Während der EM kam sie nicht dazu, Prüfungen zu schreiben, diese konnte sie später nachholen. «Das wäre wohl an keiner anderen Fachhochschule möglich gewesen.»