Eisschnellläufer Oliver Grob und der Traum von Olympia
Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2026 war das grosse Ziel von Eisschnellläufer Oliver Grob. Der 29-Jährige, der an der FFHS Betriebsökonomie mit Vertiefung Sportmanagement studiert, erzählt im Interview mehr über seine Sportart, die in der Schweiz kaum im Rampenlicht steht, und die Sicherheit, die ihm das Studium gibt.

«Eisschnelllaufen ist die wohl purste Form von Geschwindigkeit auf dem Eis», sagt Oliver Grob.
(Fotos: FFHS)
Oliver Grob, wie würden Sie das Eisschnelllaufen jemandem erklären, der noch nie davon gehört hat?
Eisschnelllaufen ist die wohl purste Form von Geschwindigkeit auf dem Eis. Man gleitet mit scharfen Kufen über eine 400-Meter-Bahn und versucht, in möglichst perfekter Technik maximale Geschwindigkeit zu erzeugen. Es geht um Rhythmus, Kraft, Präzision und dieses einzigartige Gefühl, fast schwerelos über das Eis zu fliegen.
Wann ist ein Lauf perfekt für Sie?
Ein Lauf ist dann perfekt, wenn sich alles fügt: der Start, der Rhythmus, die Linien in den Kurven. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich nicht gegen das Eis arbeite, sondern mit dem Eis. Oft merkt man das schon während des Laufs. Es fühlt sich leicht an, fast mühelos, obwohl man körperlich am Limit ist.
Ihr grosses Ziel waren die Olympischen Winterspiele in Milano Cortina 2026.
Ich konnte mich leider nicht qualifizieren. Die Entscheidung ist sehr knapp ausgefallen. Dennoch lasse ich mich davon nicht entmutigen. Als Sportler richtet sich der Blick stets nach vorn. Die nächsten Olympischen Spiele finden in vier Jahren statt und stellen eine neue Chance dar. Aktuell befinde ich mich mitten in der Prüfungsphase und nehme gleichzeitig an der Europameisterschaft in Polen teil.
Es braucht sicher viel Leidenschaft und Willen, sich einer solchen Randsportart zu verschreiben, wenn es keine grossen Werbedeals oder Aufmerksamkeit gibt?
Absolut. Man macht diesen Sport und Aufwand nicht wegen Ruhm oder Geld, sondern aus innerer Überzeugung. Die Leidenschaft und Freude für den Sport, die Geschwindigkeit und die ständige Weiterentwicklung sind der Motor. Ohne diese Motivation wäre es kaum machbar.
Ist das Studium an der FFHS Ihr Plan B?
Ich sehe das Studium nicht als klassischen Plan B, sondern als zweite Säule. Der Sport steht aktuell im Vordergrund, aber mir ist wichtig, parallel eine fundierte Ausbildung aufzubauen. Das gibt mir Sicherheit und Perspektive für die Zeit nach dem Spitzensport.
Wie kriegen Sie Spitzensport und Studium unter einen Hut?
Mit sehr viel Planung, Disziplin und Flexibilität. Ich strukturiere meine Wochen genau und nutze Zeitfenster konsequent. Dank der Online-Vorlesungen kann ich oft direkt vom Trainingslager aus mit dem Laptop teilnehmen und aktiv mitarbeiten.
Was sind dabei die grössten Herausforderungen?
Vor allem der Zeitdruck. Prüfungen während Wettkampfphasen oder intensive Trainingsblöcke sind anspruchsvoll. Man muss lernen, Prioritäten zu setzen und auch unter Stress fokussiert zu bleiben.
Welche Eigenschaften aus dem Sport helfen Ihnen im Studium?
Disziplin, Durchhaltevermögen und Zielorientierung. Im Sport lernt man, langfristig zu denken und auch Rückschläge zu akzeptieren. Genau diese Mentalität hilft mir auch im Studium.
Und umgekehrt? Wo hat Ihnen das Gelernte aus dem Studium bereits im Sport geholfen?
Vor allem im Bereich Sportmanagement und Finanzen. Ich verstehe wirtschaftliche Zusammenhänge besser, kann Entscheidungen fundierter treffen und bin selbstständiger im Umgang mit Sponsoring, Planung und Organisation.
Wo sehen Sie sich sportlich und beruflich in fünf Jahren?
Sportlich möchte ich international etabliert sein. Beruflich sehe ich mich im Finanz- oder Sportmanagement-Umfeld, wo ich meine sportliche Erfahrung und mein betriebswirtschaftliches Wissen verbinden kann.


