24.02.2026

Wie Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderung profitieren

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist in der Schweiz zwar rechtlich verankert, ihre Umsetzung hängt jedoch stark von den Unternehmen ab. FFHS-Forscherin Prof. Dr. Daniela Mühlenberg-Schmitz untersucht, wie inklusiv Schweizer Unternehmen sind und wie diese von der Zusammenarbeit mit Menschen mit einer Behinderung profitieren.

«Inklusion ist besonders dort wirksam, wo soziale Verantwortung mit wirtschaftlicher Wertschöpfung verknüpft wird, und nicht nur aus einem Compliance-Gedanken heraus erfolgt, und dort, wo sie professionell begleitet wird», erklärt Prof. Dr. Daniela Mühlenberg-Schmitz vom Institut für Management und Innovation (IMI) an der FFHS. Sie forscht seit Jahren unter anderem zur Finanzierung von Integrationsbetrieben sowie zu Kooperationen zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen (NPOs). Ihr Fokus liegt dabei weniger auf Einzelfällen als auf strukturellen Mustern und Wirkungsketten. Ihre Forschung hat gezeigt, dass Inklusion zwar rechtlich klar verankert ist, ihre Umsetzung jedoch stark vom jeweiligen Unternehmen abhängt.  

Gemäss einer Bachelorarbeit aus dem Studiengang Betriebsökonomie an der FFHS aus dem Jahr 2024 nehmen Kooperationen zwischen Unternehmen und NPOs zwar zu, bleiben jedoch häufig unter ihrem Potenzial.

Indirekte und direkte Vorteile

Wenn Unternehmen Menschen mit einer Behinderung integrieren, profitieren sie direkt von einem zusätzlichen Arbeitskräftepotenzial. Zudem können personelle Engpässe durch ausgelagerte Aufträge oder begleitete Arbeitseinsätze abgefedert werden. Gemäss Mühlenberg-Schmitz können Unternehmen zudem ihre Nachhaltigkeitsleistung im Bereich Soziales indirekt stärken. «In diesem Bereich zeigt unsere Forschung grösseren Aufholbedarf, weshalb das ein guter Ansatzpunkt für Integrationsbetriebe ist. Die Zusammenarbeit mit Menschen mit einer Behinderung wirkt sich zudem positiv auf die Unternehmenskultur, die Diversitätskompetenz und die Arbeitgeberattraktivität aus.»

«Viele Unternehmen bekennen sich zu Inklusion, was auf den ersten Blick hervorragend ist. Aber die Umsetzung ist noch selektiv.»

Prof. Dr. Daniela Mühlenberg Schmitz
Forschungsfeldleiterin «Innovation und Accounting / Auditing»

Realistische Anforderungen und Begleitung

Inklusion funktioniert nicht als Einzelmassnahme, sondern benötigt eine organisatorische Verankerung. Gemäss der FFHS-Forscherin ist dabei eine klare Rollen- und Erwartungsklärung zwischen Unternehmen und Integrationsbetrieb einerseits sowie dem Menschen mit Behinderung andererseits zentral. Wichtig seien realistische Leistungsanforderungen und professionelle Begleitung der Menschen mit Behinderung. «Ohne eine strukturelle, offene und ehrliche Vorbereitung steigt das Risiko von Frustration auf beiden Seiten. Integrationsbetriebe fungieren hier als Bindeglied und lassen beide Parteien bei diesem entscheidenden Schritt nicht allein», erklärt Mühlenberg-Schmitz.  

Nachdem die ersten Herausforderungen gemeistert wurden, eröffnen sich für alle Beteiligten viele Chancen. So entsteht für Menschen mit Behinderung etwa ein arbeitsmarktnahes Umfeld und die Mitarbeitenden des Unternehmens bauen Berührungsängste ab.  

Wie inklusiv sind Schweizer Unternehmen mittlerweile? Dazu Mühlenberg-Schmitz: «Viele Unternehmen bekennen sich zu Inklusion, was auf den ersten Blick hervorragend ist. Aber die Umsetzung ist noch selektiv. Sie ist etwa zeitlich befristet oder auf einzelne Tätigkeiten oder Bereiche bezogen. Daraus entsteht insgesamt eine Erwartungslücke zwischen Anspruch und Umsetzung.» 

Für Daniela Mühlenberg-Schmitz ist klar: Es braucht konsequente und besser abgestimmte Finanzierungs- und Anreizsysteme, sowohl für die Unternehmen, die Integrationsbetriebe, als auch für die Menschen mit Behinderung selbst. Mit guten Rahmenbedingungen kann Inklusion umsetzbar und skalierbar werden – und nicht nur symbolisch.  

Züriwerk unterstützt Unternehmen

Die Zürcher Stiftung Züriwerk setzt sich für die berufliche und gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein. Die Stiftung ist gemäss Daniela Mühlenberg-Schmitz ein gutes Beispiel dafür, wie eine gute Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Organisationen und Integrationsbetrieben funktionieren kann. Züriwerk arbeitet mit den Stakeholdern in unterschiedlichen Formen zusammen. Dazu zählen Dienstleistungsaufträge und der Bezug von Produkten, die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen in Kooperation mit der Beruflichen Integration sowie zeitlich begrenzte Einsätze von Mitarbeitenden.

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