Kamera an im Onlineunterricht
Sichtbarkeit im Onlineunterricht ist zentral. Nicht nur für die Interaktion zwischen Dozierenden und Studierenden im virtuellen Klassenzimmer. E-Learning-Expertin Samira Lötscher erklärt, welche positiven Aspekte eine eingeschaltete Kamera sonst noch hat und wie die Privatsphäre geschützt wird.
Die FFHS setzt in einigen Modulen auf synchronen Onlineunterricht. Welche Erfahrungen machen die Dozierenden? Ist die Kamera mehrheitlich an oder aus?
Die Erfahrungen der Dozierenden sind sehr unterschiedlich und stark von der jeweiligen Klasse abhängig. In manchen Gruppen sind die Kameras mehrheitlich eingeschaltet oder werden nach einer Aufforderung durch die Dozierenden aktiviert. In anderen Klassen hingegen bleiben die Kameras oft aus – teils auch nach mehrmaliger Bitte der Dozierenden.
Warum ist es aus didaktischer Sicht wichtig, auch im virtuellen Klassenzimmer sichtbar zu sein?
Sichtbarkeit ist im Onlineunterricht zentral, insbesondere im Blended Learning, wo der Anteil der Präsenzphasen begrenzt ist. Eingeschaltete Kameras fördern das Gefühl von Gemeinschaft und erleichtern den Aufbau einer lernförderlichen Beziehung zwischen Dozierenden und Studierenden. Der Unterricht lebt von Austausch, Interaktion und gemeinsamen Lernaktivitäten wie Diskussionen, Fallarbeiten oder Gruppenübungen. Damit diese Formate auch im virtuellen Raum wirksam sind, ist gegenseitige Wahrnehmung entscheidend. Sichtbarkeit unterstützt eine positive Lernatmosphäre, steigert die Aufmerksamkeit und erhöht die Verbindlichkeit zur aktiven Teilnahme. Gleichzeitig trägt sie zu einer konstruktiven Feedbackkultur bei, weil nonverbale Signale wahrgenommen und in das Feedback integriert werden können.
Wie kann man Studierende motivieren, die ihre Kamera nicht einschalten möchten? Was raten Sie den Dozierenden?
Zentral für die Motivation ist es, die Relevanz und den didaktischen Mehrwert der Kameranutzung transparent zu machen. Studierende sollten verstehen, warum ihre Sichtbarkeit wichtig ist – etwa, weil nonverbale Signale wie Mimik und Reaktionen Emotionen sichtbar machen und die Kommunikation erleichtern. Den Dozierenden empfehlen wir, zu Beginn des Moduls gemeinsam mit der Klasse eine Netiquette zur Kameranutzung zu erarbeiten. Dabei ist es wichtig, auf Ermutigung, statt Zwang zu setzen. Der Vergleich mit dem Präsenzunterricht vor Ort – bei dem man sich ebenfalls gegenseitig sieht – kann zudem das Verständnis fördern. Längere Onlinephasen können ermüdend sein. Daher ist es sinnvoll, gemeinsam zu klären, in welchen Phasen des Unterrichts die Kamera eingeschaltet sein sollte und wann sie auch mal ausgeschaltet sein kann. Die FFHS bietet zu diesem Thema auch Weiterbildungen für Dozierende an.
Stichwort Interaktion und Gruppenarbeiten: Ist das im virtuellen Klassenzimmer überhaupt möglich?
Ja, Interaktion und Gruppenarbeiten sind im virtuellen Klassenzimmer gut umsetzbar. Tools wie Microsoft Teams bieten mit Breakout-Räumen eine einfache Möglichkeit, um Studierende in Gruppen arbeiten zu lassen. Darüber hinaus können kollaborative Werkzeuge wie Miro oder geteilte Online-Dokumente, wie PowerPoint oder Word, effektiv eingesetzt werden. Auch der Chat bietet vielfältige Interaktionsmöglichkeiten, etwa für Fragen, kurze Rückmeldungen oder Diskussionen. Ergänzend dazu können Quizformate genutzt werden, um Inhalte spielerisch zu vertiefen und die Aktivität zu erhöhen.
Was ist mit datenschutzrechtlichen Überlegungen? Wie können Studierende Ihre Privatsphäre im Onlineunterricht schützen?
Datenschutz und Privatsphäre spielen im Onlineunterricht eine wichtige Rolle, da Studierende häufig von zu Hause aus an Veranstaltungen teilnehmen. Microsoft Teams bietet die Möglichkeit, den Hintergrund unscharf zu stellen oder ein neutrales Hintergrundbild zu verwenden, um private Räume zu schützen. Um zu vermeiden, dass private Situationen unbeabsichtigt im Onlinekontext übertragen werden, empfehlen wir Studierenden in entsprechenden Momenten Mikrofon und Kamera bewusst auszuschalten. Ein transparenter Umgang diesbezüglich trägt dazu bei, Sicherheit und Vertrauen im virtuellen Klassenzimmer zu stärken. Grundsätzlich gilt, dass keine personenbezogenen Audio- oder Videoaufzeichnungen ohne Einverständnis der Studierenden erfolgen dürfen. Ist in Ausnahmefällen eine Aufzeichnung vorgesehen, müssen die Studierenden darüber informiert werden. Studierende, die damit nicht einverstanden sind, haben das Recht, Mikrofon und Kamera auszuschalten und sich stattdessen über den Chat zu Wort zu melden, da dieser in MS Teams nicht aufgezeichnet wird.
