Win-Win – Wie eine Bachelorarbeit echten Nutzen fürs Unternehmen schafft
Schweizer KMU stossen bei der Datennutzung meist nicht auf technologische, sondern auf organisatorische Hindernisse. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit hat Wirtschaftsingenieur Sandro Troxler einen Leitfaden entwickelt, der KMU bei der Umsetzung der Datennutzung unterstützen soll. Bei seinem Arbeitgeber, der Schurter AG, wird der Leitfaden bereits eingesetzt.

Marco Hug (links) und Sandro Troxler machen einen Rundgang durch die Produktionsstätte der Schurter AG in Luzern. (Foto: FFHS)
Sandro Troxler ist gelernter Polymechaniker und arbeitet heute als Projektmanager bei der Schurter AG, einem international tätigen Unternehmen in der Elektronikbranche. Er hält sich noch immer gerne in der Produktionsstätte auf, dort wo man die Arbeit riecht und sieht, welche Produkte die Lagerhallen verlassen. Zurück an seinem Bürotisch widmet er sich dann wieder dem, was als das Öl des 21. Jahrhunderts gilt – Daten.
In einer zunehmend digitalen Welt gewinnen Produktionsdaten und Informationen von KMU stetig an strategischer Bedeutung. Sie gelten inzwischen als ebenso zentrale Ressource wie Kapital oder klassische Rohstoffe. Dank der Industrie 4.0 steigt die Verfügbarkeit von Produktionsdaten erheblich. Dennoch haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, diese effektiv zu nutzen. «Die Technologie ist oft vorhanden, der Engpass liegt überwiegend in der Organisation, den Kompetenzen und der konsequenten Umsetzung im Alltag», sagt Sandro Troxler.
Nur 30 Prozent der KMU sind zufrieden
Auch die Schurter AG stand vor diesen Problemen. Marco Hug, Head Automation sagt dazu: «Es gab schon mehrere Anläufe, das Thema Datennutzung anzugehen. Aber wir sind immer wieder gescheitert, wenn wir versucht haben, die Anwendung der Daten im Unternehmen zu implementieren. Denn es ist kulturell und organisatorisch eine Herausforderung.» Für Marco Hug war deshalb schnell klar, dass sich Sandro Troxler im Rahmen seiner Bachelorarbeit diesem Problem annehmen muss.
Für seine Bachelorarbeit hat Sandro Troxler Experteninterviews unter Deutschschweizer KMU durchgeführt. Für KMU ist die digitale Transformation zwar zentral, ihre Zwischenbilanz fällt jedoch eher ernüchternd aus. Die Mehrheit beurteilt den bisherigen Fortschritt gemäss Troxler kritisch. Nur rund 30 Prozent der KMU sind mit ihren bisherigen Digitalisierungsbemühungen zufrieden. «KMU wünschen sich effizientere Prozesse bei der organisatorischen Umsetzung der Datennutzung. Dazu braucht es aber auch die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden», erklärt Troxler.
Mehr Effizienz
Der erarbeitete Praxisleitfaden wurde gemäss Troxler als konkretes Drehbuch für Schweizer KMU erstellt. Er umfasst sieben Handlungsfelder:
- Das Potenzial strategisch nach Kosten, Qualität und Leistung bewerten.
- Den finanziellen Nutzen berechnen und als Gewinnzuwachs ausweisen.
- Klare Ziele nach SMART und KPI definieren.
- Das Projektteam definieren und Zeit, Budget sowie Kapazität sichern. Alle Stakeholder von Beginn an involvieren: COO, Produktion, IT und Qualität.
- Mit 2 bis 4 Anwendungen starten, statt alles gleichzeitig umzusetzen.
- Die Datenqualität prüfen und die Ergebnisse im Alltag verankern.
- Die KPIs messen und beim Nutzen vom Groben ins Detail skalieren.
«Der Leitfaden soll dabei helfen, die Abläufe zur Datennutzung effizienter zu gestalten und klare Verantwortlichkeiten zu definieren. Also: «Wer ist innerhalb des Unternehmens für welchen Schritt verantwortlich?», so Troxler. Sein Vorgesetzter Marco Hug ergänzt: «Der Leitfaden gibt uns jetzt eine klare Struktur. Es wird aber eine gewisse Zeit dauern, bis wir diese Abläufe im Unternehmen implementiert haben.» Für Sandro Troxler ist klar: Die Wirkung des Leitfadens muss systematisch überprüft werden. «Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse kann er dann weiter präzisiert werden.»
Mitarbeitende als wertvolle Ressource
Die Schurter AG hat Sandro Troxler von Anfang an bei seinem Plan, berufsbegleitend ein Bachelorstudium an der FFHS zu absolvieren, unterstützt. «In der Schweiz sind wir auf Wissen angewiesen, mit dem wir uns auf dem globalen Markt behaupten können. Eine unserer wertvollsten Ressourcen dafür sind gut ausgebildete Mitarbeitende. Das hilft uns, uns gegenüber Konkurrenten zu behaupten», betont Marco Hug.
Wie hat Sandro Troxler die Doppelbelastung durch Job und Studium erlebt? «Zu Beginn des Studiums musste ich zuerst einmal lernen, mich selbst zu organisieren. Es gibt keinen Dozenten, der einem ständig sagt, was zu tun ist.» Mit der Zeit habe er aber herausgefunden, wie und wann er am besten lerne. Dank flexiblen Arbeitszeiten und dem Vertrauen seitens seines Vorgesetzten habe er es geschafft, alles unter einen Hut zu bringen. Jetzt gönnt sich Troxler eine Verschnaufpause und will das Gelernte erst einmal sacken lassen. Eine weitere Weiterbildung schliesst er aber nicht aus. Marco Hug hätte noch einige Themen für weitere Bachelor- und Masterthesen parat: «Die Schurter AG ist im Umbruch und wir strukturieren um. Da gibt es also einige Prozesse, die man Studierenden zur Bearbeitung einer Handlungsempfehlung vorlegen könnte.»