«Ich brauche nicht viel: meine Hände, im Idealfall noch eine Liege»
Samuel Boehringer treibt Profisportlerinnen und Profisportler zu Höchstleistungen. Egal, welche Sportart oder Altersgruppe – bei ihm kommen von jungen Talenten bis Olympioniken alle ins Schwitzen. Mit seinem Osteopathiestudium an der FFHS will der Athletiktrainer sein Profil abrunden.

«Das flexible Studienmodell der FFHS passt zu meiner aktuellen Lebenssituation», sagt Samuel Boehringer. (Foto: ZVG)
Die Kondition einiger Eishockeyspieler der Schweizer Nationalmannschaft kennt Samuel Boehringer genau. Bis 2022 stand er als Athletiktrainer für die Nationalmannschaft im Einsatz. Und heute betreut er einige Spieler aus der Mannschaft noch im Off-Season-Training, wie etwa Nico Hischier, Walliser NHL-Profi. Der sagt über das Training mit Boehringer: «Er ist ein super Typ, der mich fordert, aber auch fördert.»
«Ich versuche die Athleten zu noch besseren Sportlern zu machen», fasst Boehringer seine Arbeit zusammen. Vor dem Training werden gemeinsam mit dem Sportler seine Stärken und Schwächen analysiert. Aufbauend auf diesen Ergebnissen wird dann unter anderem an der Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination und Kondition gearbeitet. Neben Eishockeyspielern betreut der 36-Jährige aktuell zwei Schwinger, Rugbyspieler oder auch Unihockeyathleten.
Weniger Schmerzen, mehr Leistungsfähigkeit
Sport gehört seit jeher zum Leben von Samuel Boehringer. Es ist seine grosse Leidenschaft. Er selbst steht in seiner Freizeit nicht auf dem Eis-, sondern auf dem Basketballfeld. Nach dem Gymnasium studierte er an der ETH, wechselte dann an die Uni Basel und hat dort ein Bachelorstudium in Sportwissenschaften absolviert. Nach verschiedenen Praktika und Aufenthalten in den USA machte er noch einen Master in High Performance Sport an einer Universität in Australien.
Seine Trainertätigkeit führte Boehringer schlussendlich zur Osteopathie, in der er die ganzheitliche und interdisziplinäre Herangehensweise schätzt: «Bei der Eishockey-Nationalmannschaft habe ich gesehen, was Osteopathie bewirken kann. Wenn die Athleten weniger Schmerzen haben, sind sie sehr dankbar, und ihre Leistungsfähigkeit wird erhöht.» Der Wunsch, sein Angebot mit Osteopathie zu erweitern, um so noch individueller auf seine Kunden eingehen zu können, reifte über Jahre. «Ich konnte mir ein Vollzeitstudium nicht mehr vorstellen und so war ich sehr froh, als die FFHS das Osteopathiestudium in Zürich lancierte.»
Schulmedizin und Osteopathie
Bereits seinen Master an der australischen Universität absolvierte Boehringer online. So war das Onlinestudium kein Neuland für ihn. «Das flexible Studienmodell der FFHS passt zu meiner aktuellen Lebenssituation», betont Boehringer. Organisation, Priorisierung, Selektion und Schwerpunkte festlegen: Das sind gemäss Boehringer die wichtigsten Aspekte, um einen optimalen Lernerfolg zu erzielen und um Studium und Beruf unter einen Hut zu bringen. «Ich habe ADHS. Wenn ich etwas finde, das zu mir passt, fühlt es sich nicht wie etwas an, das ich tun muss, sondern es erfüllt mich komplett.»
Die Eltern von Boehringer sind beide Schulmediziner. Was sagen sie zu seinem Osteopathiestudium? «Die Gespräche, die wir haben, sind sehr interessant und für mich eine gute Übungsanlage. Sie sind beide neugierig, mehr über diese Behandlungsmethode zu erfahren. Aber es ist schon so, dass es Themen in der Osteopathie gibt, die man mit Schulmedizinern nicht diskutieren sollte», lacht Boehringer.

Der Walliser NHL-Profieishockeyspieler Nico Hischier trainiert jeweils in der Off-Season mit Samuel Boehringer. (Foto: Janosch Abel)

«Ich versuche die Athleten zu noch besseren Sportlern zu machen», sagt Samuel Boehringer. (Foto: ZVG)

Neben Eishockeyspielern betreut der 36-Jährige aktuell zwei Schwinger, Rugbyspieler oder auch Unihockeyathleten. (Foto: ZVG)
Masterstudium im Blick
Aktuell ist Boehringer im 5. Semester und sitzt an seiner Bachelorarbeit. Diese dreht sich um die Arbeit mit Faszienketten bei unspezifischen Rückenschmerzen. Anfang 2027 wird er sein Bachelorstudium abschliessen und freut sich jetzt schon auf das aufbauende Masterstudium, welches aus einem klinischen Teil in Zusammenarbeit mit Spitälern und osteopathischen Praxen, einem Vertiefungsstudium und einer wissenschaftlichen Arbeit besteht. «Wir freuen uns alle auf die Arbeit in den Spitälern und in den Praxen. Osteopathie kann man nicht ohne praktische Erfahrungen erlernen».
Samuel Boehringer will weiterhin als Athletiktrainer tätig sein. Er träumt davon, in ein paar Jahren, als Osteopath eine eigene Praxis zu haben. «Ich kann auf der ganzen Welt arbeiten. Ich brauche nicht viel, meine Hände, im Idealfall noch eine Liege, das war es. Und KI wird mir auch keine Konkurrenz machen – einen Osteopathen kann man nicht so einfach ersetzen».