Sven Florin 23.10.2026

Ein Spielplatz für alle Generationen

Was entsteht, wenn man einen klassischen Kinderspielplatz mit den Ideen eines Vita-Parcours verbindet? FFHS-Absolvent Markus Bühler hat daraus das Gesundheitsförderungsprojekt «Fit im Quartier – Gesundheitsparcours für Senior*innen» entwickelt. Es lädt ältere Menschen dazu ein, sich mitten im Quartier und gemeinsam mit anderen Generationen zu bewegen.

Regelmässige Bewegung gehört zu den wirksamsten Massnahmen, um Mobilität und Selbstständigkeit im Alter zu erhalten. Gleichzeitig sind viele öffentliche Bewegungsangebote an Mitgliedschaften, Kosten oder feste Kurszeiten gebunden. Mit «Fit im Quartier – Gesundheitsparcours für Senior*innen» hat Markus Bühler ein Gesundheitsförderungsprojekt entwickelt, das Bewegung unkompliziert und direkt im Quartier ermöglicht. 

Auf dem Spielplatz Bachwiesen in Zürich-Albisrieden hat Bühler mehrere Infotafeln installiert, die älteren Menschen sechs einfache Übungen zeigen, mit denen sie Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit trainieren können. Die Übungen sind sturzpräventiv ausgerichtet und so konzipiert, dass sie verschiedene Muskelgruppen beanspruchen.  

Statt neue Infrastrukturen zu schaffen, nutzt der Gesundheitsparcours die bereits vorhandenen Elemente eines gewöhnlichen Kinderspielplatzes. Sitzbänke, Geländer, Kletterstangen, der Sandkasten und sogar ein grosser Findling werden so zu Trainingsgeräten. Nebst Informationen zu weiterführenden Themen wie gesunder Ernährung und mentaler Gesundheit im Alter enthalten die Infotafeln auch QR-Codes, die zu Videos mit den jeweiligen Übungen führen. 

Bewegung fördert Begegnung 

Mit dem Gesundheitsparcours verfolgt Bühler mehrere Ziele. Einerseits sollen ältere Menschen die Möglichkeit erhalten, sich kostenlos und niederschwellig zu bewegen. Andererseits möchte er Begegnungen und den Austausch zwischen Generationen fördern. Deshalb wurde der Spielplatz auch bewusst nicht umgebaut und steht weiterhin Kindern und Familien zur Verfügung. 

«Wenn Kinder spielen und ältere Menschen gleichzeitig trainieren, entstehen Begegnungen ganz selbstverständlich», sagt Bühler. Dass beide Seiten oftmals Begleit- oder Betreuungspersonen zum Spielplatz mitbringen, fördere den Austausch zusätzlich. Der studierte Physiotherapeut erhofft sich davon nicht nur positive Effekte für die körperliche Gesundheit. Er wünscht sich auch, dass dadurch Berührungsängste und Vorurteile zwischen den Generationen abgebaut werden und unterstützende Beziehungen entstehen.  

Die Idee für den Gesundheitsparcours entstand im Rahmen des CAS Gesundheitspsychologie an der FFHS. Im Modul «Diversity in der Gesundheitsförderung» entwickelte Bühler erste Konzepte für ein eigenes Gesundheitsförderungsangebot. Dabei konnte er auf seinen Hintergrund als Physiotherapeut sowie auf seine Tätigkeit bei der Fachstelle Zürich im Alter zurückgreifen. «Das Schönste daran ist, das Gelernte in der Praxis anwenden zu können», sagt er. 

Von Bewohnerinnen für Bewohnerinnen 

Zusätzliche Impulse erhielt das Projekt direkt aus dem Quartier. In einem von Bühler betreuten Info-Café für ältere Menschen äusserten zwei Bewohnerinnen den Wunsch nach einem niederschwelligen Bewegungsangebot für Seniorinnen und Senioren. Gemeinsam entwickelten sie die Idee weiter und suchten nach einem geeigneten Standort. Sie fanden ihn auf dem Spielplatz Bachwiesen, der in der Nähe mehrerer Gesundheitszentren liegt, gut erreichbar und auch mit eingeschränkter Mobilität leicht zugänglich ist.

Auch die Stadt Zürich unterstützte die Umsetzung des Projekts. Da die Idee aus einem konkreten Bedürfnis im Quartier heraus entstand und die Bevölkerung von Beginn an in die Entwicklung einbezogen wurde, stiess das Vorhaben bei den zuständigen Stellen auf offene Ohren. Die Fachstelle Zürich im Alter begleitete die Umsetzung und realisierte den Gesundheitsparcours als Pilotprojekt. 

Bühler war es dabei auch wichtig, die Zielgruppe bestmöglich einzubinden. Deshalb testete er die Übungen gemeinsam mit älteren Menschen und passte sie anhand ihrer Rückmeldungen mehrfach an. So konnten die Bewegungsabläufe vereinfacht und mögliche Risiken reduziert werden. 

Potenzial für weitere Standorte 

Der Generationenspielplatz wurde am 11. September eröffnet. Um den Einstieg zu erleichtern, begleiten die beiden Mitinitiantinnen in den ersten zwei Monaten jeweils donnerstags von 10 bis 11 Uhr Interessierte bei den Übungen und machen auf das Angebot aufmerksam.  

Das Pilotprojekt wird laufend qualitativ und quantitativ evaluiert und ist zunächst bis Ende 2027 angelegt. Für Bühler ist das Potenzial gross: Allein in Zürich gibt es 164 Spielplätze. Da keine baulichen Anpassungen notwendig sind und die vorhandene Infrastruktur genutzt wird, könnte das Konzept grundsätzlich auch an anderen Standorten umgesetzt werden. Bühler würde sich freuen: «Für mich ist das wirklich ein Projekt, für welches ich mit Herzblut und Leidenschaft arbeite.»