30.11.2018

20. Business Breakfast: Mit Psychologie zu innovativen Geschäftsmodellen

Wie bleibt eine Firma in Zeiten der Digitalisierung relevant? Indem sie sich selbst hinterfragt, antworten die Gäste am 20 Business Breakfast zur Psychologie der Geschäftsmodellinnovation. Die einen sammeln quantitative und qualitative Daten über die Beziehungen nach aussen, die anderen pflegen eine mediative Firmenkultur. Fest steht: Psychologie ist entscheidend, um aus Daten oder internen Spannungen Benefits für Kunden – und damit Wettbewerbsvorteile – generieren zu können.

Die Hälfte eines Markenwertes ist auf psychologische Aspekte zurückzuführen. Das ist ein enormer Anteil, den man sich nicht nur im Kontext der Markenentwicklung vor Augen führen sollte, sondern auch dann, wenn es sich um die Lancierung von Innovationen dreht. Insbesondere bei einer so grundlegenden Innovation wie der des Geschäftsmodells, mit welchem ein Unternehmen seine Value Proposition dem Kunden vermittelt. Im Vergleich dazu, gibt das St. Galler Vier-Phasen-Modell der Geschäftsmodellinnovation der Integration der Kundenbedürfnisse nur zu 20% Platz. Tobias Heilmann, Studiengangsleiter an der FFHS, argumentiert hingegen, dass die Fragen nach dem Kunden, die geteilten Werte und gemeinsame Zukunft wie bei einem Eisberg einen grösseren Teil der Innovation ausmachen sollten, um sie zum Erfolg zu führen: obschon sie meist unter der Wasseroberfläche verdeckt bleiben, sind sie tragendes Element der sichtbaren Restmasse.  

Welche konkreten psychologischen Aspekte die beiden Unternehmer, Thomas Husmann und Ivo Streiff, beim Aufbau ihrer Unternehmen und Geschäftsmodelle antrafen und wie sie die Herausforderungen meisterten, teilten sie den Gästen des Business Breakfasts zum Thema am 22. November im Bistro Spitz mit.

Firmenkultur der Innovation

Ivo Streiff, Geschäftsführer bei autoricardo.ch, wechselt von der Kundenperspektive auf die psychologischen Herausforderungen der Innenwelt und betont dabei, dass weder die Strategie noch die Technologie im Zentrum stehen sollte, sondern die Kultur der Firma das  A & O des Erfolgs darstellt.
Mitarbeiter haben je nach Verantwortung und Aufgabe eine andere Perspektive; während sie beim Entwickler produktzentrisch sein kann, ist sie beim Produktmanager oder Verkäufer kundenorientiert. Diese unterschiedlichen Auffassungen prallen aufeinander und erfordern stete Mediation. Idealerweise lässt sich Entwicklung und Verkauf im Team kombinieren, damit beide voneinander profitieren.

Streiff unterscheidet ausserdem klar zwischen den Kulturen die bei Grossunternehmen vorherrschen im Vergleich zu jener bei KMU. Autoricardo.ch ist als joint venture von AXA und Tamedia zwischen zwei Grossunternehmen angesiedelt. Neben den unterschiedlichen und lang gewachsenen Kulturen der beiden Mütter, lebt es ausserdem als kleines Unternehmen seine eigene agile und junge Kultur. Eine Herausforderung, in der regelmässig unterschiedliche psychologische Perspektiven aufeinandertreffen und ohne Zweifel den Aufbau des jungen Unternehmens entsprechend beeinflussen.

Dr. Tobias Heilmann, Studiengangsleiter Wirtschaftspsychologie

FFHS Business Breakfasts
Anja Bouron, Corporate Relations