25.03.2026

Zwei mögliche Wege auf Tertiärstufe: «Bachelor of Science BSc FH» und «Professional Bachelor» im Vergleich

Seit dem 1. Januar 2026 gibt es in der Schweiz den neuen Titel «Professional Bachelor» für Abschlüsse der höheren Berufsbildung. Das entsprechende Bundesgesetz gilt definitiv, falls bis Mitte April kein Referendum dagegen ergriffen wird. Der neue HF-Titel ist nicht gleichzusetzen mit dem Bachelor FH, der als akademischer Abschluss ein anderes Profil aufweist. Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Unterschiede der beiden Titel.

Der Bachelor FH: Akademisch fundiert und praxisnah

Ein «Bachelor FH» ist ein akademischer Hochschulabschluss, erworben an einer Fachhochschule wie der FFHS. Fachhochschulen sind Teil der Hochschullandschaft und damit der Tertiärstufe A. Sie arbeiten nach dem Bologna-System mit ECTS-Punkten und international vergleichbaren Abschlüssen. Ein entsprechendes FH-Studium dauert in der Regel drei Jahre in Vollzeit und umfasst 180 ECTS-Punkte – an der FFHS ist es möglich dies in neun Semestern berufsbegleitend zu absolvieren. Inhaltlich verbindet es wissenschaftliche Grundlagen mit einer starken Praxisorientierung. Studierende erwerben methodische Kompetenzen, analytisches Denken und theoretisches Fachwissen – ergänzt durch Praxisprojekte, Praktika oder Kooperationen mit Unternehmen. Der Bachelor FH ist international anerkannt und berechtigt in der Regel zum weiterführenden konsekutiven Masterstudium. Wer sich langfristig akademisch-wissenschaftlich vertiefen oder international tätig sein möchte, findet hier einen klar strukturierten Bildungsweg mit hoher Durchlässigkeit.

Der Professional Bachelor

Demgegenüber steht die höhere Berufsbildung, die zur Tertiärstufe B gehört. Hier finden sich Abschlüsse wie der eidgenössische Fachausweis (BP), das eidgenössische Diplom (HFP) oder ein Diplom einer höheren Fachschule (HF). Mit den neuen Titelzusätzen «Professional Bachelor» und «Professional Master» will der Bund diese Abschlüsse sichtbarer machen und international verständlicher positionieren. Es handelt sich beim neuen Titel jedoch nicht um einen akademischen Grad, sondern um eine Bestätigung einer berufsqualifizierenden Weiterbildung. Das System der höheren Berufsbildung baut in der Regel auf einer abgeschlossenen Berufslehre und einer mehrjährigen Berufserfahrung auf. Es ist stark arbeitsmarktorientiert und eng mit Branchenverbänden verknüpft. Die Ausbildung erfolgt meist berufsbegleitend. Im Zentrum steht dabei weniger wissenschaftliche Theorie, die unmittelbare Handlungskompetenz im Berufsfeld und Führungsverantwortung will gefördert sein. Gerade in der Schweiz geniesst die höhere Berufsbildung einen guten Ruf. Arbeitgeber schätzen die ausgeprägte Praxiserfahrung in einem bestimmten Fachgebiet, die vertieften Fachkenntnisse und die unmittelbare Umsetzbarkeit im Betrieb – was sich im Übrigen auch in den Bachelorstudienangeboten der FFHS wiederfindet.

Unterschiedliche Logiken, gleichwertige Abschlüsse

Der zentrale Unterschied liegt also weniger im Niveau als in der Ausrichtung. Der Bachelor FH folgt einer akademischen Logik: theoriegestützte Ausbildung, wissenschaftliche Methodik, internationale Vergleichbarkeit und klare Anschlussfähigkeit an weitere Hochschulstudien. Die FFHS zeichnet sich durch einen starken Praxisbezug dahingehend aus, denn die Dozierenden stammen aus der Praxis und garantieren einen engen Bezug zur Berufswelt. Die höhere Berufsbildung folgt hingegen einem berufsorientierten Schwerpunkt: Spezialisierung im bestehenden Berufsfeld, starke Praxisnähe, enge Verbindung zur Wirtschaft sowie unmittelbarer Nutzen für Unternehmen – Aspekte, die sich im FFHS-Studium ebenfalls finden und besonders hervorgehoben werden. Hier kommt mitunter das Teilzeitmodell der FFHS nicht nur den Studierenden, sondern eben auch den Unternehmen sehr entgegen. In der bildungspolitischen Diskussion wird deshalb häufig von «gleichwertig, aber andersartig» gesprochen. Beide Wege sind auf Tertiärstufe angesiedelt, verlangen hohe Leistungsbereitschaft und eröffnen attraktive Karrierechancen – jedoch mit unterschiedlichen Kompetenzprofilen.

Welche Vorteile bieten die jeweiligen Wege?

Der Bachelor FH punktet vor allem mit internationaler Mobilität, akademischer Anschlussfähigkeit und hoher Praxisorientierung – zumindest an der FFHS. Wer später einen konsekutiven Master an einer Fachhochschule oder mittels Passerelle ggf. auch einen solchen auf Universitätsstufe erwerben will, die Branche wechseln oder im Ausland arbeiten möchte, profitiert von der formalen Vergleichbarkeit des FH-Abschlusses. Zudem eröffnet er breitere Perspektiven, da er stärker generalistisch, theoretisch fundiert und praxisbezogen ausgerichtet ist.

Die höhere Berufsbildung überzeugt demgegenüber durch ihre Nähe zur Praxis. Sie ermöglicht einen Karriereaufstieg, ohne das Berufsleben vollständig zu unterbrechen – und das ist auch einer der zentralen Pluspunkte eines Studiums an der FFHS. Absolventinnen und Absolventen von HF bringen dementsprechend vertiefte Fach- und Führungskompetenzen mit, die unmittelbar im betrieblichen Alltag eingesetzt werden können. Besonders in der Schweizer Wirtschaft sind eidgenössische Abschlüsse stark etabliert und anerkannt.

Bachelor FH vs. Professional Bachelor

Kriterium Bachelor FH Professional Bachelor
Systemebene Hochschulbildung (Tertiär A); Hochschulstudium Höhere Berufsbildung (Tertiär B); Berufliche Aufstiegsfortbildung
Abschlussart Akademischer Hochschulabschluss Bachelor of Science oder Bachelor of Arts Berufsqualifizierender Abschluss
Struktur des Systems Teil des internationalen Bologna-Systems Eigenständiges System der höheren Berufsbildung in der Schweiz
Dauer der Ausbildung ca. 3–4 Jahre Regelstudienzeit (180 ECTS) meist 1–3 Jahre, flexibel, häufig berufsbegleitend
Zugangsvoraussetzungen Berufsmaturität oder gymnasiale Maturität + Praxis oder Passerelle mit HF-Abschluss Berufslehre + mehrere Jahre Berufserfahrung
Inhaltlicher Fokus Wissenschaftliche Grundlagen + angewandte Praxis Praxis- und handlungsorientierte Vertiefung im Beruf
Prüfungsform Verschiedene Prüfungsformen pro Modul + Bachelorarbeit Kammerprüfungen, Projektarbeit, Praxisprüfung
Weiterführende Möglichkeiten Direkter Zugang zu Masterstudiengängen und tertiären Weiterbildungen Kein regulärer Zugang zu Masterprogrammen Passerelle zu Bachelor FH
Stärke des Abschlusses Akademische Breite, internationale Mobilität und Praxisorientierung Hohe Arbeitsmarktnähe und Praxiskompetenz