28.05.2026

Kann Eisen die Wirkung von Impfungen beeinflussen?

Es ist bekannt, dass die Reaktion unseres Körpers auf eine Impfung nicht nur vom Impfstoff abhängt, sondern auch von individuellen Faktoren – unter anderem vom Nährstoffstatus. Ein Nährstoff, der in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit erhält, ist Eisen. Eine internationale Studie unter der Leitung von FFHS-Forschenden untersuchte, ob Eisenwerte im Blut zum Zeitpunkt der COVID-19-Impfung mit der Immunantwort assoziiert sind.

Impfungen zählen zu den wirksamsten Massnahmen der öffentlichen Gesundheit, um Infektionskrankheiten zu verhindern und schwere Krankheitsverläufe zu reduzieren. Insbesondere während der COVID-19-Pandemie wurde deutlich, wie zentral eine funktionierende Immunantwort nach der Impfung ist. Eisen ist vor allem für den Sauerstofftransport bekannt, spielt aber auch im Immunsystem eine wichtige Rolle. Es wird für die Bildung und Funktion von Immunzellen benötigt.

Eisen und Immunsystem: Ein komplexes Zusammenspiel

Bereits frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Eisenstatus mit der Funktion des Immunsystems zusammenhängt. Beobachtungen aus verschiedenen Populationen legen nahe, dass Unterschiede im Eisenstatus mit unterschiedlichen Immunreaktionen nach Infektionen oder Impfungen einhergehen können. Gleichzeitig ist das Zusammenspiel komplex: Sowohl zu niedrige als auch sehr hohe Eisenwerte können physiologische Prozesse beeinflussen. Zudem ist Eisen eng mit Entzündungsprozessen verknüpft, da beispielsweise Ferritin – ein Marker für Eisenspeicher – auch als sogenanntes Akutphasenprotein auf Entzündungen reagieren kann.

Eisen als möglicher Faktor im Immunsystem

Die aktuelle Studie, an der Prof. Dr. Diego Moretti und Dr. Giulia Guzzi-Pestoni von der FFHS mitwirkten, untersuchte den Zusammenhang zwischen Eisenstatus und Immunantwort auf SARS-CoV-2-Impfungen. Grundlage bildete die Zürcher SARS-CoV-2-Vaccine-Kohorte mit 572 erwachsenen Teilnehmenden. Diese Kohorte wurde im Frühjahr 2021 aufgesetzt, am Höhepunkt der Pandemie, als die ersten Impfstoffe in der Schweiz zur Verfügung standen. Konkret analysierten die Forschenden zum Zeitpunkt der Impfung zwei wichtige Marker im Blut: das Ferritin und das zirkulierende Eisen im Plasma. Beide Werte geben Hinweise darauf, wie gut der Körper mit Eisen versorgt ist. Gleichzeitig wurden verschiedene Immunmarker über einen Zeitraum von sechs Monaten mehrmals gemessen.

Höhere Eisenwerte, stärkere Impfreaktion

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass höhere Ferritinwerte zum Zeitpunkt der Impfung mit einer stärkeren Immunantwort nach der Impfung assoziiert sind. «Ein höherer Eisenstatus war mit einer stärkeren neutralisierenden Antikörperantwort verbunden», berichten die Autorinnen und Autoren. Besonders spannend: Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn andere Faktoren wie Alter oder Gesundheitszustand berücksichtigt wurden. Für das im Plasma zirkulierende Eisen ergaben sich hingegen weniger konsistente Ergebnisse. Insgesamt fanden sich keine stabilen Hinweise auf klare Zusammenhänge zwischen diesem Parameter und der Immunantwort.

Relevanz für die öffentliche Gesundheit

Die Ergebnisse haben praktische Konsequenzen. Eisenmangel ist weltweit verbreitet – und auch in Europa ein Problem. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass dieser Mangel nicht nur Müdigkeit oder Leistungsabfall verursacht, sondern auch die Wirksamkeit von Impfungen beeinflussen könnte. «Der Ernährungsstatus könnte ein modifizierbarer Faktor sein, um die Impfantwort zu verbessern», wie sich die Schlussfolgerung der Forschenden zusammenfassen lässt. Die Autorinnen und Autoren betonen jedoch auch, dass die beobachteten Unterschiede in der Immunantwort moderat waren und kleiner ausfielen als Effekte, die beispielsweise durch Impfstofftyp oder vorbestehende Immunität erklärt werden können. Zudem blieb die Immunantwort insgesamt in allen Gruppen sehr hoch: Auch Personen mit niedrigeren Eisenwerten entwickelten eine deutliche Antikörperantwort nach der Impfung. Das unterstreicht die Wirksamkeit der SARS-CoV-2-Impfung.

Ausblick

Die Studie eröffnet neue Perspektiven und unterstreicht den Bedarf an weiterer Forschung: Ob und in welchem Ausmass eine gezielte Verbesserung des Eisenstatus die Impfantwort beeinflussen kann, muss in weiteren Studien – insbesondere bei eisenarmen Populationen und bei weniger wirksamen Impfstoffen – untersucht werden. Insgesamt tragen die Daten zu einem besseren Verständnis möglicher Zusammenhänge zwischen Ernährung, Stoffwechsel und Immunreaktionen bei – einem Forschungsfeld, das in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.