Nachhaltig einkaufen – aber wie? Eine FFHS-Studentin untersuchte den Alltag im Supermarkt
Nachhaltige Ernährung gilt als Schlüssel für Umwelt- und Klimaschutz, doch im Alltag scheitert sie oft an kleinen Entscheidungen im Supermarkt. Die FFHS-Studentin Barbara Müller hat in ihrer Bachelorarbeit untersucht, wie Menschen tatsächlich einkaufen. Im Zentrum steht die Frage, warum nachhaltige Vorsätze häufig nicht umgesetzt werden – und was Konsumentinnen und Konsumenten konkret dabei unterstützen könnte.

Die Abschlussarbeit von Barbara Müller zeigt unter anderem, wo Detailhandel und Politik ansetzen können, denn vereinfachte Informationen und transparente Kennzeichnungen könnten einen wichtigen Beitrag leisten, um nachhaltigen Konsum im Alltag zu stärken. (Foto: Karsten Winegeart)
Viele Menschen wollen nachhaltig einkaufen, tun es aber nicht immer. Dieses Spannungsfeld zieht sich wie ein roter Faden durch die Abschlussarbeit von Barbara Müller. «Eine positive Haltung gegenüber nachhaltigem Konsum führt nicht automatisch zu entsprechendem Kaufverhalten», hält Müller fest.
Zwischen Anspruch und Realität
Der Grund liegt oft nicht im fehlenden Willen, sondern im Alltag selbst. Komplexe Entscheidungen, Zeitdruck oder widersprüchliche Informationen erschweren es, nachhaltige Optionen konsequent zu wählen. «Nachhaltiges Kaufverhalten scheitert weniger an fehlender Motivation als an situativen und informationsbezogenen Barrieren», so Müller.
Was beim Einkauf wirklich zählt
Die Ergebnisse der Befragung zeigen eindeutig: Nachhaltigkeit ist nur ein Faktor unter vielen. Besonders wichtig sind Frische, Haltbarkeit und die Vermeidung von Food Waste. «Frische/Haltbarkeit und die Vermeidung von Food Waste waren in nahezu allen Szenarien zentrale Kriterien», sagt Müller. Auch Gewohnheiten spielen eine grosse Rolle. Gerade bei Genussprodukten entscheiden viele nach Geschmack statt nach ökologischen Kriterien. Überraschend: Der Preis war weniger entscheidend als oft angenommen. «Preis und soziale Einflüsse spielten in meiner Stichprobe eine untergeordnete Rolle», stellte Müller fest.
Zielkonflikte im Regal
Nachhaltiger Einkauf ist selten eindeutig. Oft müssen Konsumentinnen und Konsumenten zwischen mehreren «guten» Optionen wählen – etwa regional vs. bio oder wenig Verpackung vs. längere Haltbarkeit. «Zielkonflikte traten vor allem bei Produktgruppen mit mehreren relevanten Nachhaltigkeitsdimensionen auf», erklärt Müller. Genau hier zeigt sich, wie anspruchsvoll nachhaltige Entscheidungen im Alltag sind. Diese Konflikte führen dazu, dass selbst gut informierte Personen nicht immer nachhaltig handeln. «Konkurrierende Kriterien erschweren eine konsequente Umsetzung nachhaltiger Absichten», so die FFHS-Absolventin weiter.
Orientierung gesucht: Hilfe am Point of Sale
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit: Viele wünschen sich mehr Unterstützung direkt im Laden. «Der Unterstützungsbedarf konzentrierte sich auf einheitliche, verständliche und vertrauenswürdige Informationen am Point of Sale», fasst Müller zusammen. Labels, Hinweise oder einfache Orientierungshilfen könnten helfen, nachhaltige Entscheidungen schneller und intuitiver zu treffen. Entscheidend ist dabei Klarheit: «Nachhaltige Entscheidungen gelingen insbesondere dann, wenn die nachhaltigere Option klar erkennbar und praktikabel ist.» Die Arbeit zeigt damit auch, wo Detailhandel und Politik ansetzen können. Vereinfachte Informationen und transparente Kennzeichnungen könnten einen wichtigen Beitrag leisten, um nachhaltigen Konsum im Alltag zu stärken.
Kleine Entscheidungen, grosse Wirkung
Die Bachelorarbeit macht deutlich: Nachhaltigkeit im Ernährungssystem beginnt bei alltäglichen Kaufentscheidungen. Gleichzeitig zeigt sie, wie komplex diese Entscheidungen tatsächlich sind. Oder wie Müller es zusammenfasst: «Nachhaltige Kaufentscheidungen sind stark produktspezifisch.» Genau deshalb braucht es Lösungen, die sich am realen Verhalten orientieren – nicht nur an guten Absichten.
